WasfüreinTag

Fast 18 Stunden unterwegs, einmal Boot und vier Mal Fähre gefahren, schöne Beleuchtung von fast allem genossen, Natur und Kultur zum Niederknien erlebt. Vor der viel zu kurzen Nacht im sehr schönen Luft-BnB häng ich noch ein zwei Bilder an, ohne Gewähr, dass es nicht passendere gäbe. 

Erste Eindrücke aus Norwegen

Meine Güte, ist das schön hier! Wir sind seit dem Morgen bis 21:30 Uhr quer durchs Land nach Bergen gefahren. Wir hatten die meiste Zeit Glück mit der Beleuchtung und sind, dank dubioser Verkehrsinfos des Navis, auf einer tollen Strecke mit Aussicht und der besterhaltenen Stabkirche unterwegs gewesen. Und trotz langer Route haben wir uns Zeit genommen, hier und da zu halten oder sogar einen kleinen Umweg zu fahren. Dass das mit den Seen und den Bergen und den Fjorden so schön sein würde, dass es mich spontan erwischt, das hätte ich nicht gedacht. Ist aber so. 

Bei diesen ersten Eindrücken muss ich öfters an die Schweiz und manchmal an Neuseeland denken. Und mein positives Vorurteil im Vergleich zur Schweiz: Hier könnte es entspannter, weniger verschnörkelt und weniger snobistisch sein. So im ganzen. Ich kenn wunderbar unsnobistische Schweizer*innen. 

Jedenfalls ist es hier mindestens so schön. Und die Zeit definitiv zu kurz. Wie schön, wenn der Aufenthalt in einem ganz neuen Reiseland mit so einem Vorschuss beginnt.

Manchmal

Manchmal mache ich mir Sorgen um Menschen, die ich gar nicht kenne und nur zufällig irgendwo sehe. Wie die beiden Kinder auf der Fähre heute, die meines Erachtens von den beiden Erwachsenen, die mit ihnen unterwegs waren, seltsam behandelt wurden. Ich sah da zuviel Nähe, zumal mindestens das jüngere Kind, das ca. neun oder zehn Jahre alt war, deutlich dagegen agierte. 

Guck ich zuviel Tatort? Warum taucht das Thema Missbrauch da so oft auf? Ich kann mir das weder im Sonntagskrimi noch anderswo jederzeit angucken. Und manchmal, nicht nur durch mediale Präsenz sensibilisiert und auch nicht nur zu dem Thema, wird mir heiß und kalt beim Wahrnehmen von Leuten. 

Manchmal bedrückt das, weil bei ganz leisem Verdacht bei völlig fremden Leuten in Zufallsbegegnungen nun wirklich nicht zu agieren ist. 

Manchmal leg ich dann das unwohle Gefühl ab mit dem Gedanken, dass andere empathische Menschen bestimmt meinen, der Reisegefährte und ich hätten uns nichts mehr zu sagen, wenn wir beide in unsere Smartphone gucken. Hihi, wenn die wüssten.

einfach strukturiert

Und endlich ein Tag mit nennenswerten Zeiten blauen Himmels und Sonnenscheins. So einfach ich diesbezüglich strukturiert bin, wird aus neutraler Stimmung Euphorie. Licht, Farben, etwas Wärme: Ach, ein Fest.

Und wenn dann, wie heute, das Meer nicht nur greifbar nah ist, sondern wir uns spontan an einem Fährhafen anstellen, eine andere Insel besuchen und eine halbstündige Bilderbuchfahrt durch die åländischen Schären machen,

dann ist der Sonnenuntergang an einem Inselende schon bald nicht mehr auszuhalten vor Glück.

Post aufgeben

Diese unwillkürliche Aufmerksamkeit für Briefkästen, auch wenn der eigene selbst am Geburtstag nur noch vereinzelt handgeschriebene Post enthält. Diese alte Liebe zu persönlichen Zeilen in stofflicher Form, sie dauert an, auch wenn ich womöglich nie wieder soviel schreiben, frankieren und aufgeben werde, wie es lange Zeit wesentlich für mich war. Das ist so und macht nichts. Die intensiven Erfahrungen mit dem papiernen Internet gehören der Vergangenheit an, aber der, die präsent bleibt. 

Und wenn dieser Tage meine Mutter Screenshots der Flugstrecke ihrer Enkelin postet und die kleinen Schwestern der 15jährigen Weltreisenden sich mit Nachrichten voller bunter Herzen überbieten, hat sich die Kommunikationsweise geändert, aber nicht die Nähe, die sogar in einer Gruppe ausgedrückt werden kann. So geht es weiter und geht es gut.

Ökumenische Kunstkapelle, Turku 

Im Reiseführer (2014) stand die Kapelle von 2005 leider nicht drin, im Wikipediaartikel über Turku war sie zum Glück erwähnt, die Ökumenische Kunstkapelle am Rande von Turku. Und auch wenn wir nur einen halben Tag für die ehemalige Hauptstadt Finnlands hatten, war uns nach dem beeindruckenden Besuch der Kamppi Chapel in Helsinki klar, dass wir dieses Bauwerk nicht verpassen wollten. Gut so. Von außen fand ich sie nicht annähernd so sprechend wie ihre jüngere Kollegin in der jetzigen Hauptstadt. Aber das Innere hat mich auch sehr geflasht: Ein Raum aus Holz mit nur indirektem Lichteinfall am einen Ende. Schlicht. 13 Meter hoch! Und: trotz der klaren Giebelform nicht eckig oder hart. Absolut weiblich, find ich. Dass das Projekt das Fischsymbol des Urchristentums darstellen soll: Mir erschließt sich das nicht so sehr, aber warum muss alles eindeutig sein.

Hier ein paar Bilder der Kapelle. Hier der Hinweis auf die (finnische) Website. Der architektonische Entwurf ist von Matti und Pirjo Sanaksenaho.



Weltkulturerbefenster in Rauma, Finnland [Update 16.8.: Fensterbilder]

Wie sähe dein Fenster aus, wenn du in einem verschlafenen Städtchen wohnen würdest, das zum Weltkulturerbe ernannt wird und plötzlich täglich betrachtet und fotografiert würde? 

Wie die Leute in Rauma* damit umgehen, fiel mir heute auf. Und was macht die Touristin: Photos. Hier eine kleine Auswahl. 

[Die Bilder werden nachgereicht: Das HotelWifi streikt oder schläft schon. Also: Wie säh sein Fenster aus?]

Update: Hier sind die Fensterfotos.


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* Die Altstadt von Rauma besteht fast komplett aus Holzhäusern, die das Glück hatten, seit 1682 von Bränden verschont zu sein. Seit 1991 ist der innere Bereich von Rauma mit 600 Häusern in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. Und wir hatten heute nichts anderes vor, als durch die Stadt zu streifen.