Ich koche wie ich denke

Ich koche wie ich oft auch denke, plane, arbeite: Am Anfang steht eine Idee, dann fallen mir weitere Zutaten in den Blick, auch noch was, was vielleicht erstmal gar nicht zu passen scheint. Der ganze Prozess macht richtig Spaß, ich freu mich an den Einfällen, die noch dazukommen. Und manchmal ist es wie heute, wo etwas Neues entsteht und ich sofort auch klar habe, dass ich das dem Reisegefährten nur variiert servieren kann: Version A, die er bestimmt mag, Version B, die er bestimmt probieren will, und Version C ist für mich genau richtig. Es lebe die Diversität. 

Was dabei rauskommt, ist bei weitem nicht immer perfekt oder richtig toll, aber meistens durchaus gut. Und wenn es perfekt ist, lässt es sich kaum so wiederherstellen. Dafür hat es nächstes Mal   womöglich noch eine neue Überraschung parat.

Ich kann auch anders kochen, denken, planen, arbeiten. Aber am liebsten mach ich es so, wie ich heute gekocht habe. 

Und beim Kochen funktioniert das fast nur alleine. Wundervoll ist, dass es Menschen gibt, mit denen ich so auch zusammen denken, planen, arbeiten, reisen kann.

Ich freue mich, ich freue mich. Love, Peace und Happiness im Arztlabor

Ich kann kaum was für meine schlechten Venen, glaub ich. Die waren schon schlecht, als ich mal viel leichter war. Ich bin für meine schlechten Venen aber eine erträgliche Patientin, denke ich, weil ich keine Angst vor Spritzen habe und wirklich auch beim dritten Versuch, Blut zu finden, weder blass noch panisch werde.
Was mir allerdings zusetzt: Das Entsetzen in den Augen der MTA, wenn ich die Praxis betrete, weil eine Blutabnahme ansteht. Ich will doch, dass es allen gut geht und dass die Dame nicht ihren Job verliert, weil sie selbst bei geduldigen Schlechte-Venen-Patientinnen blass und panisch wird. So hab ich schon mehrere Male freundlich auf sie eingeredet, sie daran erinnert, dass ich die bin, bei der sie drei bis vier Versuche frei hat, solange ich nicht zugucken muss. Und ich habe versprochen, mir ein Tattoo auf die Stelle des Handrückens zu machen, an der ihre Kollegin schließlich jeweils fündig wird.
So habe ich heute Morgen glatt ein schlechtes Gewissen, dass ich letztes Mal kein Foto vom Pflaster auf der Hand gemacht habe. So bin ich ganz ohne Anhaltspunkt für die arme Frau beim nächsten Blutabnahmetermin. Oh je.
Aber, was soll ich sagen:
Sie hat zwar das bekannte Entsetzen in den Augen, scheint aber vorbereitet. „Ich freue mich, ich freue mich“ wiederholt sie, als sie sich mir zuwendet. Wir sind ja längst sowas wie befreundet. Eine Abwandlung des Stockholmsyndroms, gewiss. „Ja, positiv denken ist ja schonmal ein guter Ansatz. Weiter so!“ bestärke ich sie. „Sie haben ja gar kein Tattoo auf der Hand, von der guten Stelle vom letzten Mal.“ Ich senke schuldbewusst den Blick. Um sie bei Laune zu halten, erzähle ich von meiner langjährigen Technik, die ich schon lange vor ihr entwickelt habe, auch beim dritten Versuch noch ruhig zu bleiben. Sie gibt sich interessiert. Und sie bleibt vor allem erstmalig positiv gestimmt. Sie schlägt auf meine Hand ein und scherzt, sie wechselt noch mal die Seite, setzt an, und ruft „Halleluja“. Das ist prima, denn so weiß ich, dass Blut fließt: Hingucken kann ich ja nicht.
Ach ist das schön, jemandem den Tag froh zu machen, auch ohne wirklich was dafür zu können. Ach, und meiner ist auch schöner geworden. Geschichten zu erleben, das ist schon vorm Erzählen schön.

Blau und andere Töne

Mittags Bilder aus einem Land, in dem nicht nur oberhalb des Horizonts viel Blau ist. 

Am Nachmittag dann beschert mir die Shufflefunktion einen sehr anrührenden und heiligen Moment, in dem sie mir Wir sind Helden aus der Playlist hervorkramt:

Ich werde mein Leben lang üben / Dich so zu lieben / Wie ich dich lieben will / Wenn du gehst.

Und der Abendhimmel hält ein ungewöhnliches Blau bereit, das ich auch dadurch feiere, dass ich meine in dem Moment begrenzten Möglichkeiten in Sachen Standort und Kamera einsehe und kein schlechtes Telefonfoto mache. Und  einfach glücklich schaue. 

Vor dem Besuch

Dieser andere Blick, der durch die Wohnung schweift, bevor Übernachtungsbesuch kommt. Ob ich die Gartenauflagen, die diesmal in einer Wohnzimmerecke überwintert haben, noch in den Keller räume? So kurz vor der neuen Saison? Und dieses Kramfach mit dicker Staubschicht überm Küchentisch. Das bekommen wir doch niemals bis Freitag aufgeräumt, ohne aneinander zu verzweifeln. Überhaupt, der Küchentisch, der benötigt dringend eine Ölung. Geht ja ganz schnell eigentlich, wenn nicht noch Gästebetten freigeschaufelt werden müssten.

Aber wenn die D. eine Tasse suchen wird, und das wird sie, fallen ihr sofort zwei ins Auge, die sie vor Zeiten aus fernen Ländern für mich anschleppte. Nein, das ist nicht arrangiert. Und der E. wird vor der Musik des Reisegefährten meditieren. Und der F. wird am Morgen mit zwei Pfannen fürs Frühstück jonglieren. Und die G. währenddessen das mitgebrachte Baby ausleihen. 

So, jetzt aber los, Oecherin. In den Waschkeller. Und an die Vorfreude.