Mein siebter Papst

Mein siebter Papst ist noch ganz neu. Er hat noch keinmal drüber geschlafen, hat sich noch keinmal morgens beim Blick in den Spiegel gefragt, wie er nun heißt: Noch Jorge oder wirklich schon Francisco.

Mein siebter Papst hat mich ganz schön überrascht. Genau genommen haben mich 115 überwiegend alte und überwiegend weiße Männer mit dieser Wahl überrascht. Ich dachte, ich nehm dieses Konklave vor allem sportlich: Da die Heimmannschaft, die geographische und die inhaltliche, quasi nicht im Wettbewerb war, fieberte ich zwar rum, wer es wohl würde, wollte dann aber flugs zur Tagesordnung übergehen.
Und dann kommt da dieser mir völlig unbekannte alte weiße Mann auf den Balkon mit einem verheißungsvollen Namen, den noch keiner in diesem Amt vor ihm trug, und macht einen guten ersten Eindruck:
Er sagt einfach erstmal guten Abend.
Er ist einfach herzlich schlicht.
Er spricht von sich als Bischof von Rom, nicht als Papst.
Er hat keinen Firlefanz über der Papstsoutane an und selbst die Stola nur ganz ganz kurz.
Er betet mit den Leuten auf dem Platz ein einfaches Vater unser.
Er bittet um Gebet, bevor er selber segnet und verneigt sich in Stille vor der betenden Menge.

Morgen früh werd ich mich kneifen und fragen, was das heute war. Auf jeden Fall nicht meine Tagesordnung.
Ich bin gespannt wie es weitergeht mit meinem siebten Papst.

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