Mein sechster Papst

Mit meinem sechsten Papst hatte ich es nicht leicht. Am Tag seiner Wahl lief ich abends mit einem Freund ziellos durch die Stadt. Wir mussten nach dieser Nachricht (ein deutscher Papst! dieser!) zusammen kichern und frische Luft schnappen.  Wir trafen ein belgisches Fernsehteam, das sich wunderte, dass die Straßen leer waren. Wir wichen aus. Wir wollten es lieber nicht erklären: Wir waren nicht Papst. Mein sechster Papst hat mich mit seinem Wert auf persönliche Äußerlichkeiten befremdet. Sein Agieren gegenüber den Piusbrüdern fand ich nicht hilfreich. Seinen Impuls der „Entweltlichung“ teile ich nur sehr begrenzt. Seine Bücher hätte er auch gut als pensionierter Kardinal schreiben können. Wahrscheinlich überseh ich was – ich werd es gerne nachtragen. Von meinem sechsten Papst weiß ich Gutes zu berichten aus frühen Tagen seines Theologe-Seins. Als Papst hat er mich am meisten mit seinem Rücktritt beeindruckt. Damit hat er das  Papstamt gewissermaßen auf Menschenmaß zurecht gerückt. Das imponiert mir sehr. Ich wünsch ihm für seinen Lebensabend Zeit für Musik – und für das ein und andere Buch. Über meinen ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften, siebten Papst

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