Wie im Leben. (Update: Zwei Nachträge)

„Riga und vor allem Tallinn sind toll, Vilnius geht so, da ist wenig ganz Altes stehen geblieben, architektonisch ist es trotz mittelalterlicher Wurzeln ein Stilmix ab dem Barock und nicht so einheitlich. Die Kathedrale ist klassizistisch, das ist ja gar nichts für dich.  Aber als Auftakt der Reise ins Bsltikum wird es schon passen. Gut, dass ihr von Süden nach Norden und nicht umgekehrt eure Reise macht.“

Ach, wenn es so einfach wäre. Oder ob es an den wirklich nicht groß vorhandenen Erwartungen lag? Ich finde Vilnius wunderbar und würde gerne länger bleiben als die knapp zwei Tage, die wir hier sind. Ja, andere, meist ältere oder viel jüngere Architektur sagt mir meistens mehr, aber die Atmosphäre hier in der Hauptstadt Litauens, hat mich sehr schnell zu einem Fan gemacht. Es ist sehr entspannt und sehr lebenswert, mit vielen Cafés und Restaurants, die kein bisschen von der Stange sind und – für mein Bild vom Norden – unglaublich viel Außengastronomie haben. Die Leute sind freundlich, bunt, diskret. Wir packen selbst nachts die Kameras nicht weg und fühlen uns sicher. Um nur ein paar ganz wenige Aspekte zu nennen.

So gesehen leider geht es morgen schon weiter. Man könnte glatt noch mal vorbeikommen. Denn es ist wie im Leben sonst auch, in dem ich Unterschiedlichkeit und Buntheit wesentlich mehr schätze als Eintönigkeit.  

Nachtrag: 

1. Leider habe ich mich vor der Reise tatsächlich kaum vorbereitet und lese erst heute Nacht darüber, dass Vilnius Anfang des 20. Jahrhundert zu 40% von Jüdinnen und Juden bewohnt war (55.000 Menschen) und als „Jerusalem des Nordens“ galt. Von denen hat leider fast keiner den Zweiten Weltkrieg überlebt. Von 105 Synagogen ist auch nur eine erhalten geblieben.  Wie schrecklich das alles. Mehr als eine Million Juden lebten vor 1940 im historischen Litauen und schätzte es als liberale Umgebung. Und dann.
Erschreckend find ich, dass mir in dem Tagen hier nichrs diesbezüglich aufgefallen ist. Kein Hinweis aufs Gettho, nichts. Okay, das kann auch an mir liegen. Ich werde jetzt aufmerksamer sein.  

2. Der Jahrestag des Baltischen Weges, der heute war, ist uns mehrfach begegnet. Diese Freiheitsbewegung 1989 und früher und später, die zur Unabhängigkeit führte, beeindruckt mich sehr.

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