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Noch in Tallinn war da diese Touristin mit einer Leinentasche um die Schulter, aus der sie einen etwa DinA4-großen Papprahmen hervorholte, in dem milchig transparentes Papier angebracht war, auf das eine große 5 gedruckt war. Diese 5 hielt die Frau am ausgestreckten Arm schräg nach oben, so dass die Zahl auf dem Foto sichtbar sein müsste, das sie mit der Kamera in der andern Hand machte. Danach verschwand die 5 in der Leinentasche, in der anscheinend noch mehr solcher Rahmen steckten. 

Sicher gab es für das Procedere einen guten Grund und die Frau war gar keine Touristin, sondern brauchte die Bilder für ihren Job oder ihre Kunst. Die Vorstellung, dass sie die Zahlen nutzt, um ihre Urlaubsbilder zu sortieren und archivieren, lässt mich, zwei Flugstunden entfernt durch die Fotos meiner Reise scrollend, ziemlich breit grinsen.

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