79/366

Am zweiten Tag nach dem Urlaub gibt es Zuhause wieder Telefon und Internet. Beides funktioniert bei Rückkehr nicht mehr. Morgen schaut jemand nach der defekten Steckdose im Waschkeller: Die hatte sich am Tag vor der Reise plötzlich verabschiedet. Und Donnerstag oder Freitag können der Reisegefährte und ich gemeinsam auf die Suche nach einer neuen Spülmaschine gehen. Die alte gab zwei Tage vor dem Urlaub den Geist auf. Die Recherche im Netz war bislang eher ernüchternd: Es gibt zu viele Modelle und selbst bei diversen Testsiegern beschreiben mehr als fünf Leute gravierende Ärgernisse. Was alles doch nicht sauber wird oder man an der Maschine extra reinigen muss, um nur zwei Dinge zu nennen. Jetzt wollen wir uns noch mal old school im Fachgeschäft beraten lassen und dort dann natürlich auch kaufen. Selbstredend. Bis zur neuen Küchenmitbewohnerin steht derzeit abends nach Kochen und Essen gemeinsames Spülen auf dem Plan. Der Mann hasst diese Tätigkeit, genaugenommen. Zum Glück mag er die Mitspülerin. Die hatte schon angeboten, den Spüljob alleine zu übernehmen. Da hätte sie nette Sachen hören können und gleichzeitig auch in alten Zeiten schwelgen, hatte sie doch in den zwanzig Jahren des Alleinelebens 18 Jahre lang zufällig und dann tatsächlich zwei Jahre lang bewusst keine Spülmaschine. Aber nach dem Urlaub fällt es der gesamten  Reisegeuppe eh schwer genug, nicht mehr ständig zusammen zu sein, dass sogar spülen für den einen fast schon attraktiv wird. Die andere beschwert sich nicht.

Überhaupt: ich beschwer mich über die hier beschriebenen Malässen nicht. Ich erzähl sie nur. Selten wie derzeit ist mir mehrfach am Tag bewusst, wie gut ich es habe. Auf so  vielen Ebenen. Und dass das nicht selbstverständlich ist.

Seien Sie gerne ebenfalls erschüttert oder zumindest berührt bei der Leküre einiger Berichte von geflohenen Menschen.*

_____

(*auch wenn auf der Seite schleunigst die Bezeichnung der Suchfunktion, mobil oben im Bild, geändert werden muss.)

Advertisements