Ein Tag mit Farben, Uni-Anfangs-Gefühlen, Seufzern und einer Premiere.

Auch am letzten Morgen der Konferenz das Frühstück verpasst, von dem alle schwärmten. Aber die Nächte waren jeweils so kurz, dass die diversen Weckzeiten keine Chance hatten und die innere Uhr wieder den Takt vorgab, die dafür sorgte, dass Bad und Anziehn pünktlich zu Programmbeginn absolviert waren.

Auf der Heimwegstrecke durch die Eifel hatte sich der Anteil des verfärbten Laubes im Vergleixh zur Hinfahrt am Montag locker verdreifacht. Diese paar goldenen Tage tun meiner Seele gut.

Eine Kollegin fuhr bis in meine Stadt mit. Um sie zum Bahnhof zu bringen, fand ich mich im Gewirr der Südstadtstraßen wieder und wurde sentimental in euphorischer Variante: Ich sah nicht nur seit langem meinen früheren Uniweg wieder. Es war auch noch genau solches Wetter und Licht wie zum Studienbeginn nach dem Abitur. Meine Güte waren das bedeutsame Tage damals. An denen ich mich frei und auch sonst wunderbar fühlte und sehr neugierig, was neuer Ort und neues Lernen und anderes Leben mit sich bringen würde. Es war schön, dass heute nochmal kurz zu spüren. Als wenn es zu regenerieren wäre.

Noch im Auto dann die Nachricht, dass eine mir nahestehende alte Dame im Krankenhaus ist. Wir sind uns alle einig, sie selbst inklusive, dass ihre Blutdruckkrise einmal im Jahr zu den Strategien ihres Körpers gehört, der Situation Zuhause wenigstens ab und an zu entfliehen. Ach hätte sie doch, selbst nach 50 Jahren , den Mut, sich anders daraus zu befreien. Unterstützung wäre mannigfaltig da.

Glückliches Wiedersehen mit dem Reisegefährten und den schnurrenden Vierbeinern. Jetzt heißt es, die nur sehr kurze Zeit daheim, bevor der nächste Arbeitsblock ansteht, auch zu genießen. Der neue Kater schaffte dafür einen neuen Anreiz: er ließ sich erstmals kurz auf meinem Schoß nieder. Vielleicht, weil ich die Beine in eine dicke Decke gehüllt hatte.  Aber! Um das eventuell sogar zu üben, muss ich wohl bis Sonntagmorgen das ein oder andere Mal die Füße hochlegen.

Abendunterhaltung: Brügge sehen und sterben. Wahrscheinlich habe ich aufgrund vielen Lobes zuviel erwartet. Außerdem hatten wir nur eine synchronisierte Fassung greifbar. Inzwischen schau ich so viele Serien und Filme auf Englisch, dass es arg vermisse, wenn ich die nicht synchronen Mundbewegungen sehe. Und über den Bechdel-Test müssen wir natürlich auch leider gar nicht reden, weil so eindeutig verfehlt. Trotzdem kam ich mit der Zeit in Tempo und schwarzen Humor rein und fühlte mich sch(l)ussendlich gut unterhalten.

So, ab in die Waagerechte. Wenn ich irgendwo nochmal zwei Nächte gut schlafen kann, dann ist die Wahrscheinlichkeit hier nicht so schlecht. 

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