win-win-win. Eine kleine Buchhandelgeschichte (114/366)

Da es von heute wirklich nichts zu erzählen gibt, das mich sortieren oder mal erinnern und Sie womöglich bei der Lektüre erheitern könnte, erzähle ich eine Begegnung, die schon etwas zurückliegt. Dass sie thematisch zur Buchmesse passt, ist mir fast schon peinlich, ist aber zufällig.

Als ich neulich in Aachen war, hatte ich ein halbes Stündchen Luft, um ein Buchgeschenk für Freunde zu finden. Ich befand mich schon auf dem Weg zur Mayerschen*, da ich schließlich wenig Zeit hatte, dort die größte Auswahl verfügbar ist und es um ein spezielles Thema ging, hielt aber noch rechtzeitig inne: Schließlich lief ich an meiner früheren Stamm- und Lieblingsbuchhandlung Schmetz am Dom buchstäbnlich vorbei. Kein Grund also, es dort nicht wenigstens zu versuchen. Und siehe da: Ich fand spontan ein anderes Buch für einen anderen Freund (hoffentlich finde ich es wieder, wenn er Geburtstag hat) und fragte freundlich nach einem Tipp für die aktuelle Suche. Der Buchhändler dachte kurz nach, strahlte dann und zögerte zugleich, und fragte, für wann ich das Buch denn brauchen würde. Hm, tja, leider: Da ich nur an diesem Tag in Aachen war, war eine Buchbestellung nicht möglich.
Und was machte der freundliche Buchhändler? Er sagte: „Der Autor heißt so, sein Buch passt genau aus den und den Gründen zu Ihrer Anfrage. Ich such Ihnen jetzt noch schnell die genauen Angaben raus und druck sie für Sie aus. Es gibt ja noch andere Geschäfte, in denen man Bücher kaufen kann, auch hier in der Nähe.“
Wow, wie nett war das. Sogar mit dem indirekten Hinweis: Versuchen Sie es mal beim großen Konkurrenten einige Schritte weiter, vielleicht hat der es ja. Kundenservice bis zur Selbstaufgabe? Im Weitergehen dachte ich da weiter drüber nach und kam dann drauf: Der größte Konkurrent ist ja gar nicht mehr die auch schon kleiner gewordene Mayersche 100 m weiter. Wahrscheinlich freut man sich schon, wenn die Kundin das Buch in einem Laden finden wird und nicht im Internet bestellt. Und als eine der letzten übriggebliebenen kleineren Buchhandlungen neben dem Stammhaus der großen Kette, ist die Nachbarschaft womöglich längst friedlicher als vor Jahren.
Ich jedenfalls kaufte bei meiner früheren Stamm- und Lieblingsbuchhandlung noch ein zweites Buch, das es zwar auch anderswo zu kaufen gibt, aber das schließlich genau dort entstand: Den Aachener Kanon der Literatur. Und in der großen Buchhandlung, einige Schritte weiter, war das empfohlene Buch auch nicht vorrätig, aber es gab zwei Regalbretter mit Spezialliteratur fürs Hobby der Freunde, wo ich schnell fündig wurde.
So hab ich an diesem Tag eine Sternstunde der Beratung im Buchhandel erlebt, über die womöglich veränderte Nachbarschaft zweier unterschiedlich großer Fachläden nachgedacht, die Sortimentvielfalt des letzteren genossen und in beiden jeweils zwei Bücher gekauft. Eine win-win-win-Situation, würde ich sagen.

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*die Mayersche, zu der man in Aachen oft „Mayrische“ sagt und die ich als Aachenerin noch aus den Anfängen des Großwerdens in den 1980er Jahren kenne und nun das Kleinerwerden mitansehen muss, und mich trotzdem immer noch erkläre, wenn ich dorthin gehe und nicht in eine der Buchhandlungen, die nicht expandiert haben.

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