gar nicht so schlimm. (176/366)

Da fängt frau vor gut einem halben Jahr an, täglich ein paar Zeilen aufzuschreiben, und dann werden eine ganze Reihe Beiträge plötzlich viel persönlicher als ursprünglich gedacht. Deswegen folgt nun ein kleiner Hinweis in eigener Sache:

Es ist alles gar nicht so belastend, wie es sich vielleicht liest. Ich hab in den letzten Wochen bloß gemerkt, dass ich manches besser loslassen kann, wenn ich es hier aufschreibe. Dabei sortiert sich einiges, legt sich ab. Dass ein 85jähriger alter Herr womöglich auf die Zielgerade einbiegt, erschrickt mich nicht, nicht mal bei diesem nahestehenden alten Herrn. Auch die Demenz belastet mich nicht. Sie war abzusehen. Falls sie nicht nochmal zurückgeht, wie vor zwei Jahren, ist das jetzt einfach so. Die Vertrautheit, die den alten Oecher und mich seit einigen Jahren wieder verbindet, ist nur unwesentlich davon betroffen. Dass sich da wer, so kommt es mir vor, ins reine Fühlen zurückzieht, hat für mich sogar eine gewisse Logik, auch wenn die Krankheit so natürlich nicht einfach zu erklären ist. Aber was ich neulich als Tochterpsychologie zum kleinen Herzinfarkt schrieb, der die Ursache für den Krankenhausaufenthalt war, passt für mich trotzdem auch zu der jetzt rapide verschlechterten Demenz.
Ich wünsche meinem alten Herrn von Herzen eine gute, friedliche, freundliche Zeit, egal in welchen Welten er anscheinend jetzt noch unterwegs sein muss. So lange er dabei so einen zufriedenen Eindruck macht, wie in den letzten zwei Wochen häufig, ist es mir nicht sehr arg. Sowieso: Derzeit habe ich das Gefühl, dass ich ihn ganz gut gehen lassen kann. Zwischen uns ist vieles geklärt. Dass es davon unbenommen  heftige Momente gibt, ist wohl so. Und wie es sein wird, wenn er stirbt und gar nicht mehr da ist, lässt sich nicht vorhersagen.

Wieso ich diese Zeilen heute schreibe? Als freundlichen Hinweis an die vier fünf Menschen, die hier mitlesen und mich persönlich kennen, mich aber nicht sehr oft oder nicht in so persönlichen Kontexten sehen.
Keine Sorge: Auch im Wissen darum, dass ihr mitlest, werden hier eher nie meine persönlichsten Krisen auftauchen. Und weiterhin ist vieles zwischendurch auch gar nicht so persönlich, wie es scheint. Wenn ihr mich nur entfernt oder beruflich kennt, braucht ihr mich um Himmelswillen auf nichts anzusprechen, was ich hier schreibe. Könnt ihr, aber müsst ihr nicht. Ich schreib das nach wie vor in erster Linie für mich selber auf. Wenn es wer lesen mag, so wie ich selber andere persönliche Blogs mit eigenem Hang zur Horizonterweiterung lese: gerne. Aber das ist nicht das Wichtigste. Wenn ich ständig daran denken würde, dass jemand hier schonmal mitliest, flösse kein Satz mehr aus der Tastatur.

Von der – wie lang auch immer dauernden – letzten Wegstrecke des alten Oechers zu schreiben, hat sich so ergeben und  ich werd es hier und da fortsetzen. Weil es um das Leben allgemein geht, das ich sehr liebe.

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