Rezept Nr. 53, mich in meiner Kirche wohl zu fühlen. (178/366)

Man nehme eine wunderschöne Kirche, wie z.B. die romanische Doppelkirche von Schwarzrheindorf im rechtsrheinischen Bonn-Beuel und feiere dort mit 50 jungen Leuten einen festlichen Adventsgottesdienst bei Kerzenschein. Die Lesung wird von einer Studentin in Chucks ohne pastoralen Tonfall vorgelesen, was nicht der Normalfall ist. Also, die Abwesenheit von so einem Kirchentonfall. Zwei passionierte junge Messdienerinnen, die weder mit noch ohne Gewand zur weltfremden Sorte gehören, schwingen couragiert das Weihrauchfass und ließen sich diesen sichtbarsten Messdienjob nicht von ihren drei Mitministranten streitig machen. Die Musik ist klassisch adventlich katholisch, was in den romanischen Raum für mich heute passt. Da sie auf eine Art schlicht daher kommt, passt es um so besser. Die Studentin, die als Kantorin mitwirkt, singt teilweise sogar auf Latein. Aber in diesem Rahmen hat das nichts Ausschließendes, sondern passt zu Anlass, Ort und Feiergemeinschaft. Der Priester, der dem Gottesdienst vorsteht, spielt sich nicht selbst in den Vordergrund, kann in der Liturgie trotzdem ich sagen und lächeln, angenehm singen und normal sprechen. Er hält sich an Absprachen und holt die Kollegin zum Kommunionausteilen dazu, obwohl es von der Menge der Leute her nicht nötig wäre. Das mag banal klingen, ist aber offiziell nicht vorgesehen. So teilen aber ein Mann und eine Frau Kommunion aus: Das ist schöner, als wenn es bloß zwei (Priester-)Männer tun. Nach dem Gottesdienst packen viele mit an, so dass Kerzen und Liederbücher schnell aufgeräumt sind und alle kurze Zeit später auf der anderen Rheinseite bei Buffet, Bier & (Fritz)Brause noch einen angenehmen zweiten Teil des Abends miteinander verbringen.

So einfach kann es – für mich – sein.
Leider kommt es sehr selten vor, dass in der Liturgie so viel für mich stimmig ist. 

  

   

  
  
  
 

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