Adam am Heiligabend. (185/366)

Wenn mein Großvater irgendwann sonst im Jahr Namenstag gehabt hätte, hätte sich die Großfamilie je nach Jahreszeit im Garten oder im Wintergarten versammelt, um ihn zu feiern, sich übers Wiedersehen zu freuen und zu erzählen, zu lachen, zu essen, zu trinken, zu spielen, zu singen. Wie sie es zu seinem Geburtstag tat und zu Großmutters entsprechenden Festtagen. Unpraktischer Weise war jedoch meinen Urgroßeltern für ihr zehntes Kind kein anderer Name mehr eingefallen als der des Urvaters schlechthin: Adam. Und dessen Namenstag ist von der katholischen Kirche auf den 24.12. festgelegt. Für diesen Adam kein Grund, nicht zu feiern: Am Mittag des Heiligen Abend kamen mindestens die vier der fünf Kinder, die nahebei wohnten mit Familie und ein Teil des Freundeskreises im Haus meiner Großeltern zusammen. Der Kamin hatte den Wintergarten schon mal vorgewärmt, 15-20 Leute taten ihr Übriges; Großmutter und, in späteren Jahren, die Töchter hatten eine Suppe gekocht, die Erwachsenen tranken den wohltemperierten Orvieto Classico vom befreundeten Weingut, die Kinder waren mit lokaler Zitronenlimonade glücklich. Es wurde erzählt und gelacht und das ein und andere Ständchen gesungen, und danach brachen alle zu ihren Weihnachtsfeiern im eigenen, kleinen Kreis auf. 

Ich habe diese Mittage am Heiligabend sehr geliebt: Das einfache, sehr gastfreundliche Haus; das herzliche Willkommen, das es regelmäßig mit Freunden und Familie füllten und sich wie selbstverständlich auf mitgebrachte Freunde der Enkelkinder erstreckte. Auch wenn die schon mal kein Wort Deursch konnten: Kommunikation geht schließlich auch über ein Lächeln und angebotenes Essen und Trinken. Geprägt hat mich das alles, weil ich so den Heiligabend so lange ich denken kann, als einen geöffneten Raum erlebt habe. Er gehörte nie allein meiner Kernfamilie, und das war sehr gut so. Als Studentin mit Freundinnen und Freunden in Bonn Weihnachten zu feiern, mal ins Kloster zu fahren oder nach Sambia: Das lag jeweils sehr nah.

Danke, Opa Adam. Für so vieles. Allein deinetwegen wäre das mit der Auferstehung und der Ewigkeit ne großartige Sache. 

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