Mein Dienstag (197/366)

Frau Brüllen sammelt an jedem 5. des Monats Blogbeiträge zu der Frage Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Hier mein 5.1.2016. Viele andere finden sich drüben.

Um 7:30 Uhr geht der letzte Wecker und bringt mich auf die Beine. Nach kurzer, schlecht geschlafener Nacht hatte ich mir nach dem ersten Wecker eine Extrarunde gegönnt. Während ich im Bad bin, bricht der Reisegefährte zur Arbeit auf. Um 8:15 Uhr füttere ich die Katzen, die schon eine Runde draußen gedreht haben, und lasse die beiden während meines Frühstücks wieder raus. Ich beginne den Arbeitstag Zuhause, weil ich hier grad gut an den Texten arbeiten kann, die dieser Tage fertig werden müssen.

Um kurz nach 11:00 Uhr, als ich eigentlich beschlossen habe, im HomeOffice zu bleiben, – im Büro wäre ich auch alleine und bis Donnerstag kommt sonst noch keiner vorbei – fällt mir ein, dass Dienstag ist und ich um 12:15 Uhr Dienst im Mittagsgebet habe. Das ist mir grad noch rechtzeitig eingefallen; ich packe meine Tasche, fahre mit dem Auto in die Stadt, bringe meine Sachen noch kurz ins Büro und gehe zur Kirche, in der das Mittagsgebet stattfindet. Ungewöhnlicher Weise sind dort drei, genau genommen sogar vier Leute, die meine Position einnehmen können. Am Anfang des Jahres läuft die Koordinierung in unserem ehrenamtlichen Team noch nicht rund. So hatte ich mich z.B. noch nicht in den per Mail verschickten Plan eingetragen. Egal: Ich bin da und reiß mich gar nicht um eine Aufgabe. Aber unser Dienstagskoordinator ist am meisten angesäuert, dass so viele da sind, da er sich aus dem Büro richtig loseisen musste. Deswegen bekommt er die Wildcard und darf sich aussuchen, was er machen will und nimmt sich die Freiheit, ohne Aufgabe dazubleiben. Keine schlechte Wahl, 15 Minuten runterfahren zu können. Freundlicherweise bleibt er neben mir sitzen, so dass ich einen sicheren Mitsänger schonmal gewiss habe. Wir sitzen mit insgesamt ca. 16 Leuten im Hochchor des Bonner Münsters im Chorgestühl und singen zwei Weihnachtslieder und einen Psalm im Wechsel mit der anderen Seite des Chorgestühl. Man weiß nie, wer außer den drei Leuten, die Dienst haben, so da ist, und ob das mit dem Singen gut klappt oder nicht. Heute ist es gar nicht mal so schlecht und ich genieße es, nochmal zwei Weihnachtslieder zu singen, die ich sehr mag: „Adeste fideles“ (auf Deutsch) und „Menschen, die ihr wart verloren.“ Biographisch bedingt liebe ich von letzterem die letzte Strophe, in der es heißt: „Und vergiß der Liebe nicht.“ „D’r Liebe“ versteht man in Aachen schon in leichtem Slang nicht als Genitiv von „die Liebe“, sondern als Nominativ von einer Person, maskulinum Singular. So dass meine Familie immer ziemlich schmunzelt, wenn sie bei dem Lied kollektiv in leichtes Platt verfällt und singt „Und verjiss d’r Liebe nicht“. Da im Dialekt der Nominativ („D’r Liebe“) gerne auch für den Akkusativ („den Lieben“) stehen kann, bekommt der Satz eine ganz andere Bedeutung. Allein für den Schmunzler und die beiden Lieder hat es sich gelohnt, zu kommen. Nächste Woche ist nichts mit mehr mit Weihnachtsliedern: Sonntag ist die offizielle Weihnachtszeit rum.

Nach dem Mittagsgebet geh ich kurz in den Supermarkt, den es endlich seit kurzem wieder in in der Bonner Innenstadt gibt, und kaufe Salz für den Geschirrspüler im Büro. Und einen Snack für mich. Im Büro fülle ich das Salz in den Geschirrspüler und stelle ihn an und denke nicht länger drüber nach, dass da seit zwei Wochen schmutziges Geschirr drinstand, schalte ihn aber nach dem ersten Durchlauf instinktiv und irrational sofort nochmal an.

Obwohl ja das Mittagsgebet schon in meiner Mittagspause war, mach ich noch nicht sofort mit der Arbeit weiter, beiß in das Sandwich, das ich mir mitgebracht habe, und gucke in Twitter rein. Und mache Twitter relativ schnell wieder zu: Ich hatte von Köln noch gar nichts mitbekommen, versuche mich zu informieren und bin erschlagen von der Twitterunruhe, die in meiner inhaltlich einheitlichen Timeline herrscht. Ich finde die guten Zeilen von @ennomane und mache Twitter danach schnell wieder aus.

Bis zur Heimfahrt um 18:00 Uhr nutze ich viel Zeit zum Aufräumen: Wozu sonst sind diese ruhigen Tage zwischen den Jahren und zu Jahresbeginn da? Und da ich letzte Woche Urlaub hatte, schaff ich halt heute einiges weg, was mindestens zwischen Oktober und Weihnachten liegengeblieben war. Zwischendurch schreib ich ein paar Mails und führe ein Telefonat: Es gibt doch auch schon zwei drei andere Leute, die wieder arbeiten, wenn auch insgesamt noch nicht so viele. Die Rückfahrt ist aufgrund der Feriensituation recht entspannt, um 18:30 Uhr bin ich Zuhause, werde von den Katzen begrüßt und sag dem Reisegefährten Hallo. Der ist heute mit Kochen dran und schmeißt ausgerechnet am hier für alle Welt dokumentierten Tag die Friteuse an, was hier vielleicht drei bis vier Mal im Jahr vorkommt.
Wir erzählen vom Tag und bleiben nach dem Essen noch was am Tisch sitzen, über dies und das im Gespräch.
Danach verzieht sich jeder in eigene Abendaktivitäten: Wie ich beides liebe, beieinander zu sein und sich auch später am Abend wieder zu treffen, aber dazwischen durchaus stundenlang den eigenen Interessen nachzugehen! Dafür haben wir beide lang genug alleine gelebt, um jetzt nicht jede Minute miteinander verbringen zu wollen, so gerne wir zusammen sind und gerade im Urlaub dieses 24/7 genießen.
Ich werd jetzt gleich noch die beiden letzten Folgen der zweiten Staffel von The Killing schauen. Und dann vor der dritten Staffel erstmal eine Pause machen. Denk ich. Der Cliffhanger kann ja nicht so riesig sein wie nach der ersten. Insgesamt tolle Serie: Eine Frau ist Hauptdarstellerin, ohne dass hervorgehoben wird, dass eine Frau Hauptdarstellerin ist. Das gefällt mir gut – zumal sie mich an eine gute Freundin erinnert.
Um Mitternacht ist dann gleich der Tag der Oecherin vorbei.
Ein normaler, nicht sonderlich ereignisreicher Tag. Aber wenn ich mir ihn so anschaue: Schlecht war er nicht.

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