12 von 12 im Januar (204/366)

Am 12. jeden Monats sammelt Caro Blogbeiträge, die mit 12 Bildern vom Tag erzählen. Hier ist meiner. Das Datum traf zufällig einen Tag, von dem ich vorher wusste, dass er mir einer dicken Backe endet. Ich bitte meine Leserinnen und Leser um Verzeihung für das fehlende Happy End.

Mein Arbeitsweg war anders und früher als meistens: Der Reisegefährte nahm mich ein Stück mit, da wir auch abends zusammen fahren würden. Ich erreichte die Straßenbahn just in time, die Schranken waren schon für sie runtergegangen.

Kurz vor acht scheint übrigens eine gute Fahrtzeit zu sein: Es dauerte mehrere Stationen, bis sich die Bahn füllte. Hier eine leere Bahnstation an Bonns Peripherie.

Da ich locker eine Bahn zu früh unterwegs war, stieg ich eine Station früher aus und gönnte mir den Luxus, über die Kennedybrücke zu gehen und in tollen Morgenfarben von Rhein und Himmel zu schwelgen. Allein mit den Bildern hätte ich die 12 von 12 füllen können.

Kurz vor der Mittagspause im Büro erreichte mich die Nachricht von dem Selbstmordattentat in Istanbul. Vor nicht ganz vier Monaten stand ich mit 10 lieben Leuten und einem tollen Stadtführer selber lange an den beiden Obelisken. Wie nah dieser Terror manchmal sein kann.

Unter dem Eindruck dieser Nachricht ging ich, wie fast jeden Dienstagmittag, ins Mittagsgebet des Bonner Münsters, in dem ich ehrenamtlich mitarbeite. Kein schlechter Ort, um zu trauern und für die Opfer zu beten.
Schmunzeln musste ich trotzdem, als ich den Luftballon oben am Gewölbe sah. Schade nur, dass das seine Endstation ist.

Den Boden im Hochchor des Münsters mochte ich nie sonderlich gerne. Inzwischen haben wir uns aneinander gewöhnt.

Auf dem Rückweg ins Büro: blauer Himmel in einer Pfütze, die mir morgens schon aufgefallen, in der da aber alles Grau in Grau war. Jetzt gab der Spiegel was Schönes, wenn auch nicht ganz Eindeutiges her.

Der weitere Arbeitstag verflog. Der Reisegefährte holte mich am Büro ab. Der unvermeidliche Kieferchirurgenbesuch stand an. An der Wurzel eines wurzelbehandelten und überkronten Zahnes musste eine Zyste und die Wurzelspitzen extrahiert werden. Eine Routineeingriff für den Arzt, eine erhoffte Erleichterung für mich. Die Zyste machte regelmäßig Beschwerden. Leider.
Unter diesen Lampen bekam ich übrigens nur die Betäubungsspritzen. Unter größerem Licht ging es weiter.

Die Zahl Drei der Lampe fand sich schöner dekoriert zwischen Rezeption und Wartezimmer. Ja, Fische haben eine gewisse beruhigende Wirkung, erst recht in Blau.

Auf dem Rückweg – bei dem ich dem Arzt recht gab: Den hätte ich alleine nicht gut mit dem Auto geschafft – hielten wir kurz am Supermarkt und der Mann kaufte dies und das und Genesungstulpen.

Leider ging abends nicht mal Kartoffelpüree, das ich extra gekocht bekam. Die Betäubung war noch zu stark. Mit Milch verdünnter Vla war so mein Abendessen. Auch okay.

Mit kühlendem Waschlappen und Schmerztabletten kam ich über den Abend mit dem etwas enttäuschenden Staffelende von Homeland 4.

Für die Nacht mach ich keine Prognose. Aber es wird schon gehen und übermorgen vermutlich vorbei sein.
Ehrlich: bei allem Bedauern, was mir freundlich entgegen kommt, denk ich heute unentwegt: Es ist nur eine kleine Standard-OP, schmerzhaft, aber überstehbar. Andere Familien trauern heute um Ihre in Istanbul umgekommen Angehörigen. Und wieder andere Menschen befinden sich in Lebensgefahr auf der Flucht oder begegnen hier rechten gewalttätigen Dummköpfen. Deswegen mag ich mich definitiv nicht selbst bedauern. Schlaft gut, werte kleine LeserInnenschaft. Und sagt denen, die ihr liebt, dass ihr sie liebt.

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