Vier Jahre (227/366)

Wieso ich nie von der Mutter des alten Oechers erzähle, sondern nur zuweilen von den drei anderen Großeltern, fragte der Reisegefährte neulich. „Weil sie starb, als ich zwei Jahre alt war“, sagte ich. „In meiner Erinnerung gibt es eigentlich nur dieses Foto, auf dem sie in meinen Kinderwagen schaut.“

Diese Nacht vor vier Jahren ereilte uns die Nachricht von deinem Tod. Deinen Enkelinnen wird es ähnlich gehen wie mir. Sie werden sich nicht aktiv an dich erinnern können. Und das betrübt uns, die wir dich so sehr lieben und nach wie vor vermissen, sehr. Mit Blick auf die Kinder tröstet mich dabei ein wenig, dass du, anders als meine Oma, während der ersten zwei Lebensjahre deiner Enkelinnen unglaublich präsent und wichtig warst. Du warst die erste Person neben den Eltern, die sie im Krankenhaus auf dem Arm hatte, ihnen das Fläschchen gab und sie gewickelt hat. Du hast den Eltern der beiden wo es nur ging den Rücken freigehalten und dich um die Kinder gekümmert. Warst du im Raum, hatte kein anderer eine echte Chance, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Sie werden sich nicht an dich erinnern können, aber du hast ihren Start ins Leben mit geprägt. Sehr. Dieses Urvertrauen-Ding, diese uneingeschränkte Liebe und Zuwendung, die auf die individuelle Art der beiden in ihrem Leben wirken wird.

Ja, wir hätten ihnen und dir und uns noch so viel mehr gemeinsame Zeit gewünscht. Einen wie dich gibt es nur einmal. Und es ist nicht einzusehen, warum dich diese elende Krankheit erwischte und fortriss.

Aber stärker als der Tod ist die Liebe. Deine und die deiner Lieben.
Und selbst ich, die spät Hinzugekommene, die dich seit kurzem länger schon vermisst als erlebt hat, sehe noch nach diesen vier Jahren, in denen sich der Schmerz verändert hat, immer wieder dein freundliches Gesicht und die weit geöffneten Arme, mit denen du auch mich empfingst, ohne einzuengen, festzulegen oder zu nahe zutreten. Das bedeutet mir weiterhin eine Menge.

Danke. Dafür und so viel mehr.
<3

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