Aufzuglicht (Kirche in WDR 2)

Was waren das für Zeiten, als ich noch neugieriger war! Als ich z.B. wissen wollte, ob das Licht im Kühlschrank wirklich ausgeht. Als Kind habe ich versucht, die Tür so langsam zuzumachen, dass meine Augen noch den Augenblick erhaschen, in dem es dunkel wird im Kühlschrank.

An diese Zeit wurde ich erinnert durch Kinder, mit denen ich jedes Jahr Zeit in einem Kloster verbringe. Ich fahre mit Freunden jedes Jahr auf ein Klosterwochenende in die Abtei Herstelle, an den östlichsten Zipfel von NRW. Und während wir Erwachsenen unser Programm machten, haben die Kinder ihrer Neugierde freien Lauf gelassen: Und ein Gästehaus am Kloster hat einige Geheimnisse!
Irgendwann kamen die Kinder auf das Experiment, sich einfach mal in den Aufzug zu stellen, der dort wenig genutzt wird. Sie wollten wissen, was mit dem Licht im Aufzug passiert, wenn keiner drin ist. Also haben sich reingestellt, auf keine Taste gedrückt und einfach nur gewartet, was passiert, wenn man nirgendwo hinfährt. Und stolz haben sie uns später erzählt, was dann geschieht: Die Aufzugtür geht zu, und es passiert erstmal nichts. Und nach einer ganzen Weile, wenn der Aufzug realisiert hat, dass niemand mit ihm fahren will, geht er in eine Art Ruhezustand und macht dabei auch das Licht aus.

Das Experiment ist mittlerweile ein Dauerbrenner. Jedes Jahr neu stellen sie sich in den Aufzug, drücken auf keine Taste und warten, dass das Licht ausgeht. Und müssen dann ganz gut aufpassen, den richtigen Knopf zu finden: Den nämlich, mit dem die Tür wieder aufgeht oder der Aufzug in eine andere Etage fährt, aber nicht der Alarm ausgelöst wird.

Mich begeistert diese Neugierde der Kinder nachhaltig. Auch, dass sie uns Erwachsene aus heiterem Himmel in ihr Geheimnis eigeweiht haben: super. Und seitdem frage ich mit manchmal:
Treibt auch mich noch ab und zu Neugier, ein Alltagsgeheimnis zu entdecken und etwas zu tun, was hinter die Kulissen der üblichen Abläufe schaut? Oder verbleib ich im Alltagstrott und nehm nur das wahr, was man an der Oberfläche sieht?
Wie langweilig ist es im Grunde doch, sich nur mit dem zufrieden zu geben, was man sieht und weiß und kennt.

Audiodatei dieses Radiobeitrages

Advertisements

Ein Gedanke zu „Aufzuglicht (Kirche in WDR 2)

  1. kat+susann

    Oh, dass ist sehr 3schön ! Vielen Dank, dass du das geschrieben hast. Made my day, wie es so schön heisst !
    Der Aufzug „schläft“, wenn er nicht gebraucht wird.. und man kann teilhaben, wenn man es weiss.. sehr meditativ..
    In einem Einwohnermeldeamt in Hamburg, gibt es einen Paternoster… mit dem bin ich zuletzt vor 3 Jahren gefahren.. der ruht sich nicht aus.. aber dieses krrr krrr knarzzz.. unermütlich.. und nein, ich bin immer rechtzeitig herausgesprungen.. , das war mir schon Abenteuer genug, denn es gibt auch noch einen Pförtner.. und der weiss natürlich, dass manche da gerne einfach zum Spass fahren….
    Gruss S.

    Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.