Ja, fünf Jahre (335/366)

Heute vor fünf Jahren war auch ein Samstag. Ich kann mich an sehr viel erinnern, an das Wetter überhaupt nicht. Es war nicht kalt und hat nicht geregnet, soviel steht fest. Jedenfalls war der zweite Standesamttermin, der um 09:20 Uhr, unserer. Und um 16:30 Uhr läuteten Kirchenglocken. Es war ein wunderwunderwunderschöner Tag, voll Liebe, Freundschaft, Zukunft. Mit unsern liebsten, nächsten Menschen. Fast allen: Oma Käthe behielt ihr Namensschild an unserm Tisch, auch wenn wir sie drei Tage vorher beerdigen mussten. Sie war in Schmerz und Freude nah. Und bekam montags den Hochzeitsstrauß ans Grab gebracht.

Und so albern ich die Sprüche vorher fand: Unsere Hochzeit gehört tatsächlich zu den schönsten Tagen meines Lebens. Ich erinnere sehr warm an dieses Dauerstrahlen des Reisegefährten und von mir, das noch einige Wochen nicht wegging. So ein Hochgefühl: Wie schön es ist, sich zu dieser Liebe zu bekennen, sie zugesagt zu bekommen, und sie eingebettet zu wissen in die Zuneigung unserer FreundInnen und Familien. Irre Gefühle, ehrlich gesagt. Vorher so nicht vermutete.

Und einer dieser Tage, an denen ich ohne diesen ewigen Zweifel an mir selbst unterwegs war. Ich, große, sehr dicke Anfang Vierzigerin, habe in einem langen weißen Kleid geheiratet. Etwas, das ich, bis ich Mitte dreißig war, kategorisch ausgeschlossen habe. Kleid und weiß. Wenn ich sonst keine Kleider trage, warum am Tag meiner Hochzeit. Und dieses überfrachtete Weiß: Im Leben nicht. Aber als dann unsere Hochzeit näher kam, war das plötzlich anders. Dieser Tag brauchte ein eigenes Kleid. Die Überzeugung war auf einmal da. Und stimmte für mich. Heute denk ich: Ich hätte mir auch was in Blau nähen lassen können. Ja, klar, hätte ich. Wollte ich da aber nicht. Und wie passend das war und wie sehr ich mich an dem Tag in dem Kleid wohl gefühlt habe und sogar vergessen habe, dass ich in einem langen weißen Brautkleid rumlief, hält meine Lieblingsanekdote des Tages für immer fest: Als ich überhaupt mal selber am Buffet vorbeikam, es muss schon am späteren Abend gewesen sein, gratulierte mir jemand vom Service zur Hochzeit. Und ich war völlig verwundert und dachte: „Ich kenn den nicht. Woher weiß der, dass ich die Braut bin?“ Dabei gab es davon unter Garantie nur eine im Raum…

Nach fünf Jahren strahlt das Glück dieses Tages freundlich rüber. Wir sind mittlerweile deutlich länger verheiratet, als wir vorher ohne diese Ringe zusammen waren. Es sind keine fünf Jahre reinen Sonnenscheins, aber was wäre das für ein Wetter. Und auch das anstrengendere Jahr haben wir gut überstanden. Derzeit sind wir beide vor allem glücklich und dankbar, einander gefunden zu haben und zusammen unterwegs zu sein. Manchmal meint man fast, das Glück fassen zu können, aber es ist doch immer noch größer als wir. Schön, das.
Es gibt keine Garantie, dass alles so bleibt mit uns, beziehungsweise wir uns so weiterentwickeln, dass das zusammen passend bleibt. Aber die Zeichen stehen nicht schlecht. Und dass ich noch nie so lange mit einem Menschen im Alltag und auf anderen Reisen so gerne zusammen war und soviel gelacht habe und mich so frei und so verbunden gefühlt habe: Das ist so oder so wundervoll.

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6 Gedanken zu „Ja, fünf Jahre (335/366)

  1. liisa

    Herzlichen Glückwunsch zum 5. Hochzeitstag und mögt Ihr auch weiterhin so gut zusammen unterwegs sein, das Staunen über Euer gemeinsames Glück bleibe Euch erhalten und trage Euch wenn es auch mal stürmischer zugeht.

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