und ist doch rund und schön

Body acceptance / fat acceptance schön und gut: Doch wenn ich mich auf manchen Fotos anderer sehe, erschrecke ich oft. So dick bin ich? Wenn ich nur für mich bin oder wenn der Reisegefährte von mir Bilder macht, mag ich mich. Durch die Augen anderer fällt mein Urteil oft nicht freundlich aus. Bestenfalls blende ich den Part, wie sehr wir alle unser Körper sind, im Alltag aus.
Heute könnte mich trösten, dass es den Kindern und Teens, die zu Besuch waren, ziemlich egal zu sein scheint, ob ich dick oder dünn bin. Die Tanten- und Nichtenliebe ist davon in keiner Weise betroffen. Okay, darauf konzentrier ich mich den Rest des Wochenendes mal. Und dann bin ich eh wieder im vertrauten Setting unterwegs.IMG_8637

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8 Gedanken zu „und ist doch rund und schön

  1. liisa

    An diesem Beitrag gefällt mir ja am besten die Überschrift „und ist doch rund und SCHÖN“. Mir geht es oft ähnlich, wie Du es beschreibst.

    Obendrein bin ich leider nicht mit einem von Natur aus schon freundlich wirkenden Gesicht geboren. Beneide die Menschen, die so eins haben sehr darum! D.h. auf Schnappschüssen sehe ich meist aus wie ein kompletter Misanthrop oder jemand der die finstersten Gedanken wälzt. Nichts könnte ferner von der Wahrheit sein, aber die Menschen sehen und nehmen wahr, was sie wollen und sind halt leider schnell mit ihren Urteilen. Manchmal habe ich den Eindruck, das „Urteil fällen“ oder „in die Schublade stecken“ geschieht immer fixer. So wie über Internet-Inhalte „gescannt“ wird, wird mittlerweile von vielen auch über Menschen gescannt – das muss nicht mal bewußt geschehen. Zusammen mit der Tendenz der Selbstoptimierung und der Optimierung des eigenen Lebens, wo man sich nur noch mit Menschen umgeben will, die einem „etwas bringen“ (instant!), hat man dann schlechte Karten.

    Andere Menschen lassen sich nicht ändern, also bleibt nur die eigenen Einstellungen und Blickwinkel zu verändern. Ich erinnere mich immer mal wieder daran, dass es für die meisten Menschen völlig normal ist, dass sie mit 40 oder 50 nicht mehr so rank und schlank aussehen wie mit 20. Dass man selbst und das Leben aus viel mehr besteht als der Frage, wie viel Kilo bringt jemand auf die Waage. Dass mir meine Lebenszeit, Energie und Lebensfreude zu schade ist, um sie mir davon versauern zu lassen, dass ich nicht wie ein konstruiertes Idealwesen daher komme. Wer nur aufgrund eines Scans ein Urteil über mich fällt, der soll das ruhig tun und seiner Wege ziehen.

    Umgekehrt muss ich mich aber auch immer wieder mal daran erinnern, dass wir zum projektieren neigen. D.h. wir interpretieren genauso Gesichtsausdrücke, Reaktionen oder nicht erfolgende Reaktionen anderer und zwar auf der Basis unserer eigenen Befindlichkeiten, unseres eigenen Denkens. Dass jemand mich keines Wortes würdigt, hat vielleicht gar nichts damit zu tun, dass ich bei ihm oder ihr „durchgefallen“ bin, weil ich gewichtiger bin oder kein von Natur aus freundlich wirkendes Gesicht habe, sondern weil der- oder diejenige mich tatsächlich gar nicht wahrgenommen hat, weil er oder sie gedanklich mit etwas komplett anderem beschäftigt war, oder vielleicht furchtbar Migräne hat und versucht sich durch den Tag zu ziehen, oder oder oder.

    Ich erinnere mich gelegentlich auch daran „Nimm Dich selbst nicht so wichtig!“ Das steht konträr zu vielen Botschaften, die heute verbreitet werden. Die gehen Richtung: Nimm Dich selbst wichtig! Sorge zuerst dafür, dass es Dir gut geht! Du bist die wichtigste Person in Deinem Leben, etc. etc. Einerseits ist das was dran, andererseits kann man auch da auf der anderen Seite vom Pferd fallen. Sich dauernd selbst „den Puls zu fühlen“ ist auch nicht hilfreich oder „gesund“, weil man dann schnell dazu neigt, ständig alles um einen herum und auch das, was andere tun oder nicht tun, sagen oder nicht sagen, auf sich selbst zu beziehen, mit fatalem Ergebnis. Eine gesunde Balance zu finden, zwischen beiden Seiten, das ist die Aufgabe.

    Au weia, das ist jetzt ein langer Kommentar geworden. Habe einen Moment überlegt, ob ich ihn einfach wieder lösche (weil ich mir überlegt habe, wie er wohl auf Dich und andere Leser hier wirkt). Was ich geschrieben habe, ist nur meine Perspektive auf das Thema und damit verbundene Aspekte, ein lautes Denken oder besser ein niedergeschriebenes Denken, kein „belehren wollen“, kein „Ratschläge geben“, etc. Danke fürs geduldige Lesen.

    P.S. Ich mag Dich sehr, so wie Du bist bzw. wie ich Dich bisher habe kennenlernen dürfen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Oecherin Autor

      Danke, liebe Liisa, für deine Worte und dass du sie nicht gelöscht hast. Ich fühle mich sehr verstanden und verstehe sehr viel von dem, was du schreibst, nicht nur empathisch, sondern auch persönlich. Bis hin zum „Misanthropinnengesicht“ (;

      Die Sache mit dem „Nimm dich nicht so wichtig“ teile ich auch. Vermute aber, dass die Selbstliebe (vor aller Selbstoptimierung! Also, so wie ich halt bin.) und Selbstbewusstsein auf eine Art zuerst da sein müssen, bevor man den Satz beherzigen kann. Und das fällt vielen aus vielen Gründen leider schwer, nicht zuletzt, weil sich mangelnde Selbstliebe/Selbstakzeptanz zu einem guten Stück auch vererbt und eben so weit verbreitet ist… Kein guter Kreislauf.

      Soweit für grade. Ich denk noch an weiteren Gedanken rum.
      Danke noch mal.
      Ich will echt einige Leute aus dem Netz mal treffen. Dich ganz besonders gerne!

      Gefällt 3 Personen

  2. Tippling

    Möchte liisa zustimmen: Die Überschrift ist wirklich außergewöhnlich – tja, rund und schön. Danke für den Text und das, was er ausgelöst hat. Habe ich gerne gelesen.

    Gefällt 1 Person

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