Ohne Heimat

Ich weiß gar nicht, seit wann das da zu sehen ist: Auf die Rückseite einer Anzeigetafel an der A555 hat jemand „Ohne Heimat“ geschrieben. Mein Lieblingshingucker, wenn ich von Bonn Richtung Köln oder Aachen fahre. Einer dieser Alltagsmomente, von denen man normaler Weise nur erzählen, aber die man nicht zeigen kann. Ein Schild über der Gegenseite einer dreispurigen Autobahn fotografieren: Das kann man nun wirklich vergessen.

Es sei denn, im Rahmen einer Baustelle wird eine Fahrspur auf die Gegenseite verlegt. Und so ist das im Moment. Gestern fuhr ich selber drunter lang, heute war ich Beifahrerin und bekam meine Fotochance. 


So, das ist die lange Entstehungsgeschichte des Bildes. 

Und was mag ich an den Worten? Wessen Aufschrei das aus welchen Gründen auch immer ist: Ich geb ihm oder ihr Recht und  nicht Recht. Ich weiß, wo ich herkomme und was ich da als Heimat bezeichne und liebe. Ich weiß, was ich hier und heute Heimat nenne: Menschen, Musik, Worte, Gedanken, Erinnerungen, Erfahrungen, Hoffnungen. Ich denke, das solche Heimat jeder Mensch bei Sinnen hat, selbst wenn er alles zurücklassen musste oder alles verlor.

Was ist dann ohne Heimat? Ich weiß es nicht. Aber ich stimme zu. Dieses Endlichkeitsdings? Diese Sehnsucht nach gutem Leben für mehr als mich? Keine Sorge, ich zieh jetzt nicht die Ewigkeitkeitskarte aus dem Ärmel. Aber irgendwas ist und bleibt ohne Heimat in mir. Und das ist okay so.

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2 Gedanken zu „Ohne Heimat

  1. nurmalich

    Diesen „Hingucker“ habe ich auch schon gesehen. Was die, die das angebracht haben, damit anstoßen wollten, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall haben sie es geschafft, Menschen auf die Frage zu stoßen, was für sie „Heimat“ ist.
    Gibt es eigentlich auch eine Mehrzahl von Heimat? Wenn ich drüber nachdenke, wo (oder wer?) meine Heimat ist, stelle ich fest, dass ich davon mehrere habe. Die Herkunftsheimat, wo ich groß geworden bin, die jetzige Heimat, wo ich nun mehr als die Hälfte meines bisherigen Leens lebe, oder einfach die Menschen, die ich mag und die mich mögen….
    Auf jeden Fall kann ich sagen,dass ich nicht ohne Heimat bin – und darüber bin ich sehr froh.
    W.

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