Vogelfutter (Kirche im WDR)

Ich hab sie als Kind mit dicken Buntstiften gemalt und liebe sie, solange ich denken kann: Sonnenblumen. Bei Sonnenblumen geht mir das Herz auf, wie bei wenigen anderen Blumen. Sie haben eine tolle Farbe, selbst wenn die Sonne nicht scheint. Und schon eine einzige davon in einer Vase erfreut mich tagelang. An Schönsten sind sie allerdings im Freien, besonders im eigenen Garten. Wobei: Sonnenblumen im eigenen Garten haben ja einen großen Nachteil: Man muss sie aussähen, am besten vorziehen, auspflanzen und regelmäßig gießen, bis sie zu der robusten, großen Blume werden, die ich so liebe. Ich gestehe: das ist alles nichts für mich. Ich habe erstens keinen grünen Daumen. Und zweitens: Wie schön es wäre, Sonnenblumen im eigenen Garten zu haben fällt mir jedes Mal erst wieder ein, wenn sie im Nachbargarten schon gut einen Meter hoch sind. Und dann ist es zu spät, Sonnenblumenkerne in die Erde zur drücken. Aber hier kommen mir seit geraumer Zeit die „Vögel des Himmels“ zur Hilfe. Denn: Seit einiger Zeit füttern mein Mann und ich ganzjährig die Vögel in unserem Garten. Die natürlichen Futterquellen werden leider immer weniger, also kann man auch zu allen Jahreszeiten Vögel mit zusätzlichem Futter unterstützen. Und zu meinem Glück sind in den Futtermischungen immer auch Sonnenblumenkerne dabei. Und ein paar davon, schaffen es tatsächlich, zu großen Blumen heranzuwachsen, ganz ohne vorziehen, auspflanzen, und alle anderen Gärtner-Sorgen. Da ist auf die Vögel und das Vogelfutter Verlass. Und nach der Blüte gehen die Vögel ran und picken die Sonnenblumenkerne aus ihr heraus. Und so wachsen immer Sonnenblumen in unserem Garten. Und wenn ich dann, wie jetzt, eine dieser Sonnenblumen blühen sehe, dann freue ich mich diebisch und denke an den Satz, den Jesus damals in der Bergpredigt gesagt hat: „Sorgt euch nicht um euer Leben. Seht die Vögel des Himmels, sie sähen nicht, sie ernten nicht. Und der Herr sorgt für sie.“ 

Das sind ja bis heute schöne Worte. Leider ist das meist mit der Umsetzung nicht ganz so leicht. Selbst die Vögel des Himmels haben nicht mehr ganz selbstverständlich alles, was sie brauchen. Aber indem mein Mann und ich etwas mitsorgen für sie, helfen die Vögel uns ganz beiläufig, mein Herz mit meinen Lieblingsblumen zu erfreuen. 

Vielleicht ist es doch gar nicht so dumm, ein wenig Vorsorge zu betreiben, um sich um die großen Sorgen keinen Kopf machen zu müssen.

(Audio dieses Beitrags für Kirche in WDR 2 vom 9.8.2016)

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