Notizen vom 20.9.16

Natürlich kann man meine Radiobeiträge auch im Internet abrufen, aber der Reisgefährte besteht seit Anfang an darauf, dass wir die Radioausstrahlung morgens um 05:55 Uhr hören. Längst weiß ich, dass das eine gute Idee ist: Die Lieder davor oder manchmal auch die Abmoderation direkt danach haben schon für die ein und andere nette Überraschung gesorgt. Und da der Reisegefährte außerdem nichts über den Inhalt des jeweiligen Beitrags weiß, hab ich sogar eine Originalreaktion eines Hörers als erste Feedback, wenn auch familiär nicht unbefangen. Heute gab es ein Lob von der anderen Bettseite, dafür schüttelten wir beide die Köpfe über das Lied, das direkt vor dem Beitrag über Depression und ihre miese Schwester Scham lief: Alles aus Liebe von den Toten Hosen mit der Refrainzeile „dann bring ich mich für dich um“. Okay. Ziemlich daneben.


Im Büro fand ich am Vormittag dann zwei Jacken, die ich vorletzte Woche aus irgendwelchen Gründen morgens anhatte, aber nachmittags zu warm fand und vergaß. Die kommen jetzt wieder mit, halfen heute übertag jedoch nicht gegen kalte Füße. Nein, ich jammer nicht: Ich liebe kühleres Wetter, mag Sockentemperaturen aber überhaupt nicht. Damit muss ich leben.


Zum ersten Mal seit Juli konnte ich wieder beim Bonner Mittagsgebet dabei sein, dieser Viertelstunde im Bonner Münster mit einem Lied, einem Bibelwort, etwas Stille und einem Segen. Ich war heute am Empfang tätig, der Mitbetende begrüßt und ihnen ein Liedheft gibt. Der Stammteilnehmerin mit der schönen Hundetasche, die sie lange nicht mehr mit hatte, konnte ich ein Lächeln entlocken, indem ich ihr die Recherche abnahm, auf welche Seite des Chorgestühls sie sich heute setzen will. Zu wissen, was Stammgäste wollen, hach, das ist doch überall schön.


Die Arbeit am Nachmittag wurde mehrfach durch den iMessage-Dialog mit einem meiner Brüder unterbrochen. Er überführt Donnerstag einen Trecker aus dem Siegerland nach Aachen. Und aus ersten Fragen am vergangenen Wochenende, wo er am besten mit 25 km/h den Rhein überqueren könnte, wurde heute Nachmittag eine größere Beteiligung meinerseits an dieser Aktion, samt einer Übernachtung von Bruder und Trecker bei uns. Jetzt muss ich nur noch das logistische Problem lösen, wie ich nach der Nacht mit Bruder und Trecker übern Rhein fahren kann, trotzdem aber am späteren Vormittag mein Auto zur Verfügung habe. Jedenfalls ist das ganze eine verrückte, schön Aktion und schon heute definitiv ein Alltagsupgrade.


Dieser Dienstag ist ein Tag für die eherne Regel, dass Bürotage ohne Termine, an denen man schon früh am Schreibtisch saß, auch früh zu Ende sein könnten. Stattdessen werden sie zumindest bei mir oft lange Tage, weil ich endlich nochmal so richtig in Dingen versinken kann, ohne unterbrochen zu werden, wenn es womöglich grad nicht passt.


Der Nachteil: Die Zeit Zuhause mit dem Liebsten und den dort noch vorgenommenen Dingen schmilzt dahin. Wir essen spät zu Abend und da ich so im Flow bin, setz ich mich danach sogar nochmal dran. Schließlich geht morgen etwas Arbeitszeit für eine gewisse Treckeraktion drauf.


Zum Abschalten schalten wir im Zimmer des Reisegefährten am späten Abend noch auf emergency room um. Ja, wir gucken grad so altes Zeugs. Nicht zuletzt, um Julianna Margulies aus der tollen Serie „The Good Wife“ in ihrer ersten großen Serienrolle zu sehen.

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