WmdedgT 10/2016

Frau Brüllen fragt an jedem 5. des Monats „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ (WmdedgT) und sammelt die Antworten.

Nach spätmöglichstem Werktagswecker um 07:30 Uhr Aufstehn, Zähneputzen & Co, Katzenfüttern. In der Küche frühstücken und im Internet lesen, während nebenan der Mann schon am Esstisch arbeitet und in der ersten von diversen Telefonkonferenzen steckt.
Mich mit der zweiten Tasse Kaffee in meine eigene Homeoffice-Umgebung verziehen. Als mich die Katzen dort entdecken, hat der Mann zum Glück grad eine kleine Pause und kann die Katzen rauslotsen und die Tür schließen: Die alte Katzendame würde sonst unentwegt versuchen, sich zwischen Tastatur und Schreibtischrand auf meinen Unterarmen niederzulassen. Da ich nicht nur Schreiben muss, geht das beim Arbeiten leider nicht.
In einer Kaffeepause mal in den RSS-Reader gucken und bei Christian Fischer den Anfang seines WmdedgT lesen und erstmal in der von ihm erwähnten Fotocommunity rumstöbern, mich anmelden, ein paar Bilder hochladen. Mich drauf freuen, da bald mal ausführlicher reinzuschauen. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wann, könnte das sehr gut was für mich sein.
Weiter am Bildschirm fleißig sein. Für 14:00 Uhr ins Büro zu einem Treffen fahren. Mich an Sonne, Himmel, Farben freuen. Beim Meeting genießen, was seit einem Jahr in meiner Arbeitskonstellation kommunikativ möglich ist. Einiges schaffen und bis Februar Termine machen. Noch bis 17:30 Uhr im Büro bleiben, an einem schönen Sonnenplatz sitzen und Einträge der To-Do-Liste streichen, leider auch neue hinzufügen. Zur heutigen Arbeit gehört auch, zwischendrin mit dem Team Nachrichten auszutauschen, mit dem ich nächste Woche an der Nordsee arbeiten werde. Vorfreude auf diese besondere Arbeitswoche.

Um 17:40 Uhr den Flow unterbrechen, um auf dem Markt, der nicht mehr lange geöffnet ist, Pfifferlinge zu kaufen. Mir an den vorhandenen fünf Ständen schnell einen Überblick über Preis und Schönheit verschaffen und dann die einzigen nicht zerknautschten Exemplare für den zweitteuersten Preis erstehen. Im großen Kaufhaus eine Uhr zum Batteriewechsel abgeben und laut grinsen, dass eine neue Batterie auf den Cent soviel kostet wie kurz vorher 500g Pfifferlinge. Mit dem Grund meines Grinsens nicht hinterm Berg halten können. „Von der Batterie haben Sie aber länger als von den Pilzen.“ „Und ich muss sie nicht putzen.“

Noch kurz in der Sportabteilung des Kaufhauses nach leichten Wanderschuhen gucken, weil die letzten beginnen, sich aufzulösen. In diesem Schnellmodus, wie fast vermutet, nichts finden.

In den paar Minuten zurück zum Büro, wo das Auto steht, eine Prise Stadt am frühen Herbstabend in mich aufnehmen. Das Licht, das Tempo der Leute, die Kälte, den Himmel, die Geräusche die Menschen und Musiker*innen und Autos machen. Kurz glücklich sein.

Weiter glücklich sein bei der Autofahrt nach Hause. So tolles Licht, so tolle Farben. In der Stadt noch und auf dem Weg nach draußen.

Kurzer Tankstopp. Obwohl es ziemlich voll ist, bin ich schnell durch: Dass so wenige Leute eine Tanksäule in Betracht ziehen, die auf der gegenüberliegenden Autoseite des Tankes steht. Und dass so wenig Leute drauf kommen, sich da anzustellen, wo sich eine Autoreihe auf drei Tanksäulen verteilt. Es wundert mich und kommt mir oft zugute. Heute trifft es sich extra gut, weil ich so auf der Höhe noch mehr vom Sonnenuntergang mitbekomme. Einem dieser unwirklichen, die man besser nicht fotografieren sollte. Aber ich muss ihn meinen Nichten schicken, von denen die 11jährige neulich an genau dieser Stelle rief: „Halt an, halt an, sowas hab ich noch nicht gesehen, ich will das fotografieren!“

Mit Schuh-, Tank-, und Fotostopp später als geplant  Zuhause. Den Mann begrüßen, ein wenig erzählen und lachen. Danach verschwinde ich im Keller bei der Wäsche, deren Umtopfung und Sortierung für eine Folge „The Good Wife“ reicht. Und der Mann kocht. Bis er damit ganz fertig ist, schreib ich meine To-Do-Liste für die morgige Arbeit und texte noch etwas mit einer aus dem Nächste-Woche-Team.
Nach eher südeuropäischer später Essenszeit suche ich noch zwei Arbeitssachen auf dem Laptop, um sie morgen früh parat zu haben. Fluch und Segen flexibler Arbeitszeit. Dann topfe ich noch einmal Wäsche um und setz mich an meinen Schreibtisch, um das hier aufzuschreiben.

Die alte Katzendame weiß, dass das jetzt ihre Zeit ist. So schnurrt sie während des ganzen Eintrags auf meinen Unterarmen zwischen Tastatur und Tischkante, nicht ohne ihre Position zweimal zu wechseln: Kopf zur Wand, Kopf zur Tür, Kopf zu Wand.
Der weitere Plan für heute heißt, nun, um 23:30 Uhr, schnurstracks ins Bett zu gehen, da der Tag morgen um 6:30 Uhr beginnt und ich eh mit dem Schlafen etwas hinterher bin.

Arbeitstage mit keinem oder nur einem Termin find ich oft nicht erwähnenswert. Dass da irgendwie doch ne Menge Leben drin steckt, merk ich, wenn ich von ihnen erzähle. Gut, das.

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