Mit 86 Jahren

Der alte Oecher ist heute 86 geworden. Seiner Frau und den Kindern fällt aus dem engsten Familienkreis nur der Vater des alten Oechers ein, der noch älter wurde. Staunenswert, die Sache mit dem Alter. Staunenswert auch, der im folgenden festgehaltene Dialog zwischen Vater und Tochter zum Thema Frauenordination in der katholischen Kirche. Die Oecherin hätte vermutet, dass dieses Thema zu denen gehört, die ihren Vater nicht mehr erreichen. Er fällt schließlich immer öfter aus der Zeit und weiß nicht mehr, was er vor fünf Minuten für Essen bestellt hat oder ob er grad Zuhause oder woanders ist. Im nächsten Augenblick ist er zwar wieder völlig präsent, spielt mit Sprache oder ist traumsicher in alten Rollen unterwegs. Aber zu Zeitthemen äußert er sich kaum noch und in Moralfragen kehrt er eher zu Ansichten von vor Jahrzehnten zurück.
Und dann das, einfach so:

Vater: „Wann wird es eigentlich Bischöfinnen geben?“

Tochter: „Gibt es schon, Vater, in verschiedenen protestantischen Kirchen.“

V: „Nein, ich meine bei uns!“

T: „Hm, in ein paar hundert Jahren erst, wenn überhaupt. Papst Franziskus hat gestern nochmal bekräftigt, dass eine Priesterweihe für Frauen in der katholischen Kirche nicht möglich ist.“

V: „Fängt der jetzt etwa an, kindisch zu werden?“

T: „Na, genaugenommen ist diese Absage an das Frauenpriestertum ja keine Neuigkeit.“

V: „Ja, aber da läuft doch was verkehrt.“
und nach kurzer Pause: „Man müsste sich sicher erst dran gewöhnen. Aber das hat ja nun nix mit männlich und weiblich zu tun, sondern nur was mit dem Verstand.“

T sagt nichts mehr, staunt nur und versucht, kein Wort zu vergessen.

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Eine andere fundierte Einschätzung zum Thema Katholische-Frauenordination-gibt-es-nicht und zur Aussage der Kirche „Das war schon immer so, das muss so bleiben“: Franz ist nicht Bob im geschätzten Theosalon.

 

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