Ich freue mich, ich freue mich. Love, Peace und Happiness im Arztlabor

Ich kann kaum was für meine schlechten Venen, glaub ich. Die waren schon schlecht, als ich mal viel leichter war. Ich bin für meine schlechten Venen aber eine erträgliche Patientin, denke ich, weil ich keine Angst vor Spritzen habe und wirklich auch beim dritten Versuch, Blut zu finden, weder blass noch panisch werde.
Was mir allerdings zusetzt: Das Entsetzen in den Augen der MTA, wenn ich die Praxis betrete, weil eine Blutabnahme ansteht. Ich will doch, dass es allen gut geht und dass die Dame nicht ihren Job verliert, weil sie selbst bei geduldigen Schlechte-Venen-Patientinnen blass und panisch wird. So hab ich schon mehrere Male freundlich auf sie eingeredet, sie daran erinnert, dass ich die bin, bei der sie drei bis vier Versuche frei hat, solange ich nicht zugucken muss. Und ich habe versprochen, mir ein Tattoo auf die Stelle des Handrückens zu machen, an der ihre Kollegin schließlich jeweils fündig wird.
So habe ich heute Morgen glatt ein schlechtes Gewissen, dass ich letztes Mal kein Foto vom Pflaster auf der Hand gemacht habe. So bin ich ganz ohne Anhaltspunkt für die arme Frau beim nächsten Blutabnahmetermin. Oh je.
Aber, was soll ich sagen:
Sie hat zwar das bekannte Entsetzen in den Augen, scheint aber vorbereitet. „Ich freue mich, ich freue mich“ wiederholt sie, als sie sich mir zuwendet. Wir sind ja längst sowas wie befreundet. Eine Abwandlung des Stockholmsyndroms, gewiss. „Ja, positiv denken ist ja schonmal ein guter Ansatz. Weiter so!“ bestärke ich sie. „Sie haben ja gar kein Tattoo auf der Hand, von der guten Stelle vom letzten Mal.“ Ich senke schuldbewusst den Blick. Um sie bei Laune zu halten, erzähle ich von meiner langjährigen Technik, die ich schon lange vor ihr entwickelt habe, auch beim dritten Versuch noch ruhig zu bleiben. Sie gibt sich interessiert. Und sie bleibt vor allem erstmalig positiv gestimmt. Sie schlägt auf meine Hand ein und scherzt, sie wechselt noch mal die Seite, setzt an, und ruft „Halleluja“. Das ist prima, denn so weiß ich, dass Blut fließt: Hingucken kann ich ja nicht.
Ach ist das schön, jemandem den Tag froh zu machen, auch ohne wirklich was dafür zu können. Ach, und meiner ist auch schöner geworden. Geschichten zu erleben, das ist schon vorm Erzählen schön.

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3 Gedanken zu „Ich freue mich, ich freue mich. Love, Peace und Happiness im Arztlabor

  1. kat+susann

    Haha! Gaaaanz schlecht, entsetzt zu gucken! Da zieht der Patient die Hand weg und nix geht mehr. Ach ja, und auch ich hab schlechte Gefäße und mich NERVT das Gestöhne der betriebsarztin und wenn ich sage, hier gehts gut, sagt sie : hm hm hm und wenn ich sag: vielleicht ein bisschen enger den stauschlauch mache? Guckt sie panischbund holt ihre Kollegin. Und ich denke : hätten wir das doch gleich geregelt! 😂 grüße Kat.🌸

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  2. kat+susann

    Toll ! Jetzt kann sie das… den grössten Fehler den meine Kolleginnen im Krankenhaus immer machen ist.. den Patienten nicht zu glauben.. wenn die Patientin sagt.. da und da geht es am besten.. dann schaue ich mir da immer erstmal an… wobei.. manchmal ist die “ Zauberstelle“ auch komplett verstochen… dann hilft nur noch Berufserfahrung…
    Ich drück dir die Daumen, dass du nicht allzu oft zum Blutabnehmen musst.
    Gruß S.

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