Mandelbaum (2/2) – Update

Update: Bloggen bildet. Dank Margrits Kommentar unter diesem Beitrag müsste ich die Geschichte löschen. Der Mandelbaum aus dem Vers von Hilde Domin hat mit der Magnolie, die ich mir immer darunter vorgestellt habe (immer!) nix zutun. Mangelnder Sachverstand bei jahrelangem Herzschmerz. Lesen Sie trotzdem weiter, wenn Sie sich kurz auf meine Unwissenheit einlassen und auch so tun, als wären Mandelbäume und Magnolien das gleiche.

Als wir dorthinzogen, wo wir jetzt wohnen, stand vor dem Haus neben Lavendel und Rosen ein vertrocknetes Bäumchen. Da kommt eine Magnolie hin, das war sofort klar. Mir jedenfalls. Ob ich den Vers „Wo steht unser Mandelbaum, Liebster?“ von Hilde Domin im Wortlaut im Sinn hatte, weiß ich nicht. Aber das ist bei diesen tief eingegrabenen Versen und Bildern gar nicht wichtig, sie sind halt da. Die Kölnerin Hilde Domin, die der Antisemitismus der Nazis über Wege und Umwege in die Dominikanische Republik ins Exil trieb, konnte von diesem rosa blühenden Frühlingssymbol nur träumen. Ich wusste als Jugendliche, als ich die Verse las und verinnerlichte, weder so richtig was davon, mit einer Liebe einen Ort bewohnen zu wollen, noch kannte ich dieses Magnolien-Ding so richtig. In den Gärten meiner Kindheit und Jugend, und das waren auch gar nicht so sehr viele, gab es keine Mandelbäume.

Aber dann, vor ein paar Jahren, als da diese große Liebe war und ein gemeinsamer Ort mit Garten und ein gerade freigewordener Platz für einen Baum: Wie passend das alles! Das erste Mandelbäumchen haben wir wie unser erstes Gartenwerkzeug spontan und verliebt beim Wochenendeinkauf im Supermarkt mitgenommen. Fachfremde Saisonware. Es blühte wie jeck zwei Jahre lang, dann war es hin. „Das wird noch, das braucht nur was Zeit, vielleicht ist es eh noch was zu früh im Jahr“ „Guck doch, die Nachbarin gegenüber hat die gleiche Pflanze mit unverschämt dicken Blüten, wo sollen die bei unserm Bäumchen wann noch herkommen?“ Das Prinzip Hoffnung, mit dem ich zusammenwohnen darf, hatte ausnahmsweise nicht Recht, sondern definitiv zu wenig Sachkenntnis.

Zu unserer Hochzeit gab es noch einen Versuch. Auf unserer Gartenwunschliste stand ein Mandelbaum aus einer Baumschule, größer, mit Pflanzberatung, Richtig gute Freund_innen schenkten ihn uns, pflanzten und begossen ihn mit uns.

Das musste nun doch was werden. Wir malten uns den Baum für die kommenden Jahrzehnte in rosa Farben groß und prächtig aus, als Augenweide an diesen paar Tagen zu Frühjahrsbeginn, an denen man nicht glauben muss, dass es sowas gibt, weil man es an diesen paar Tagen zu Frühlingsbeginn sehen kann: Riesige Knospen in unverschämter Farbe und sonst nichts.

Das Ende vom Lied, mehrere Jahre später, muss ich nicht erzählen, ihr wisst es schon. Letztes Jahr gab es noch zwei Knospen, dieses Jahr keine mehr. Nein, der Baum braucht nicht einfach noch Zeit. Er hatte auch alle Pflege. Unser Vorgarten ist leider einfach nicht für Magnolien geeignet.

Wo steht unser Mandelbaum, Liebster? Nicht vor unserem Haus. Ist das nicht eh vermessen und etwas kitschig? Unser Mandelbaum steht auf dem Weg in die Stadt in gleich zwei großartigen Varianten, zwei alte knorrige Bäume, von denen wir jedes Jahr sprechen, wenn sie blühen. „Hast du schon gesehen? Ist das zu glauben, dass es sowas gibt?“

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2 Gedanken zu „Mandelbaum (2/2) – Update

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