Archiv des Autors: Oecherin

Sonntagsnotiz

Gefreut, dass doch kein Besuch kommt und nach dem langen Fest vom Vorabend noch Sonntag übrig bleibt. Nachmittags geärgert, dass ich trotzdem nichts schaffe und lieber nichts tue. Erst spät aber grade noch rechtzeitig gewinnt die Erkenntnis, dass mit Gästen auch kein Platz für Haken auf der To-Do-Liste gewesen wären. Also.

WmdedgT 08/2017

Frau Brüllen fragt am 5. jeden Monats: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ und sammelt die Beiträge hier auf ihrem Blog.

Der Tag beginnt im Heimkino mit dem Staffelende von Homeland 5. Kurz nach 0:30 Uhr äußerte ich vorsichtig den Gedanken, dass wir mit den restlichen zwei Folgen auch nur so lang auf sein würden wie nach einer langen Feiernacht. Und schließlich sei morgen Samstag. Beim BingeWatching ist das der Moment, wo man zugleich hofft und fürchtet, dass der andere sagt: Komm, wir machen für heute Schluss. Sagte keiner. Also: Staffelende gucken. Ungewöhnliches Staffelende für Homeland. Fast konnte man meinen, sie hätten sich zeitlich verkalkuliert und mussten noch eine halbe Stunde füllen. Da mussten wir dann durch. Ich mag Claire Danes als Carrie Mathison und Homeland aber nach wie vor sehr.

2:30 Uhr im Bett, Wecker um 9:30 Uhr, Frühstück um 10:30 Uhr: Wochenende halt, ein bisschen wie als wir noch jung waren. Beim Frühstück reden der Reisegefährte und ich, ausgehend von Reiseplänen, auch über Lebenspläne und wie grad alles ist. Einer der Momente im Alltag, in denen plötzlich Platz für das große Ganze ist. Wie schön, dabei festzustellen und zu fühlen, wie gut es mir, wie gut es uns geht, wieviel Glück im Spiel ist. Und damit ist nicht der Zufall gemeint.

Danach verschwindet der Reisegefährte zum Wochenendeinkauf, ich trinke noch einen Kaffee und blätter im Internet, bevor ich mich vom Kater von anderen Plänen abhalten lasse: Wenn der gestreichelt werden will, macht der das sehr deutlich klar. Und wann, wenn nicht jetzt.

Kurz nach 13:30 Uhr übernehm ich das Auto und mache mich auf den Weg nach Aachen, um meine Eltern zu besuchen. Unterwegs höre ich mit großem Vergnügen auf WDR5 drei Menschen zu, die verschiedene Buttermilch-Varianten und Kefir und Ayran testen.

Zweieinhalb Stunden etwa bin ich in bei meinen Eltern. Der Alte Oecher verabschiedet sich grad anscheinend ein wenig mehr von dieser Welt. Warum muss ich nur an seine jüngsten Enkel denken, die alle Tage etwas neu entdecken und sich mehr äußern können? Beim Alten Oecher geht das in die andere Richtung, er findet immer weniger Worte, bleibt mitten im Satz hängen, und es sieht zuweilen aus, als schaute er ins Leere. Natürlich ist das sehr herausfordernd für die, die täglich um ihn sind. Ich betrachte ihn neugierig und versuch rauszubekommen, wie ich im nah sein kann. Ihm gegenüber sitzend sehe ich, wie unangenehm es ihm ist, dass er kein Gespräch mehr kann. So rutsch ich neben ihn, schau mit ihm nach draußen und wir halten die neue Unsagbarkeit aus, lachen hier und da und machens mit ein paar Satzfetzen. Es ist, wie es ist. Und Vertrautsein und Nähe bleibt.

Meine Mutter hat auf dem Sofa ein paar Fragen zu ihren Ecken im Internet. Ihre Lieblingsapp mit Webcams aus aller Welt hat sich verabschiedet und in der neuen findet sie sich nicht zurecht. Wir bekommen das Ding wieder so eingestellt, dass sie in Aachen, Rom und überall da, wo grad Leute, die sie mag, in Urlaub sind, gucken kann, wie es aussieht. Und ich installiere ihr noch eine App, in der Grizzlies live Lachse fangen.

Um 18:30 Uhr bin ich zurück in Bonn, füttere die Katzen und kram ein klein wenig rum, bis der Reisegefährte und ich zu Freunden aufbrechen. Dort werden wir lecker begrillt und können viele Fragen für eine neue Reiseplanung loswerden, auch sonst nett erzählen, Eisbergfotos gucken und Bärenfotos zeigen.

Kurz vor Mitternacht sind wir Zuhause. „Ach, ich hab heute Morgen vergessen, dich zu bitten, neues Tonic Water mitzubringen“ sag ich zum Reisgefährten, der, während ich noch rede, die Kühlschranktür öffnet und grinsend die entsprechende Flasche präsentiert. So gibt es noch einen Schlummer-Gin-Tonic und der Samstag ist rund und rum.

Der Garten im Juli

Die Brombeeren sind sauer.
Der Wein rankt weit.
Der Hibiskus braucht Platz.

Der Blauregen wandert aus.
Die Himbeeren sind grün.
Der Sommerflieder: Ein Gerippe.

Die Rose ist tot.
Der Buchs ist hin.
Der Apfelbaum stirbt.

Die Anemone übertreibt.
Der Schachtelhalm okkupiert.
Die Hortensie vergeht.

Die Beete seufzen.
Der Garten ist schön.