Archiv der Kategorie: Bonn

18 Worte vom 11.3.2017

Mich beim Barcamp Bonn sehr über das Wiedersehen mit einigen Menschen gefreut. Und das Siebengebirge von drüben angeguckt.

Version 2

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Wie ich mich einst bettete

Wie ich mal als Studentin ein Palettenbett hatte und anderthalb Erinnerungen aus dem Zimmer, in dem das Bett stand.

Die 16jährige will sich ein Bett aus Paletten bauen. Für einen kurzen Moment denke ich: „Wow, ich hab doch höchstens kurz und wann überhaupt davon erzählt, dass ich so eins als Studentin hatte. Dass das solche Auswirkungen…“ Aber dann frag ich erstmal, wie sie darauf kommt. „Die sehen auf Instagram und youtube toll aus und mein Bett schwächelt. Außerdem sind die nicht so schwierig herzustellen. Und ich find die echt cool.“

Okay, ich bin nicht das Rolemodel in dieser Sache. Macht nichts. Vielleicht gibt es einen PatentantenCoolnessPunkt, dass ich sowas mal hatte. Und wenn nicht, ist es auch egal. Ich bin in meinen Erinnerungen unterwegs und das ist jedenfalls ein Gewinn.

So ungefähr mit 22 Jahren habe ich mich für einen größeren Schreibtisch und gegen mein Bettgestell entschieden. In das kleine Studentinnenzimmer in Bonn-Kessenich passte beides nicht rein. Und da damals Futons ähnlich angesagt waren, wie vielleicht heute selbstgebaute Palettenbetten, wählte ich einen größeren Schreibtisch und ein Futon. Der lag nachts in der Mitte der Zimmers und stand tagsüber zusammengerollt unter der Dachschräge, wo eh nicht viel anderes hinpasste.
Als ein Jahr später das Nachbarzimmer frei wurde und ich von zwölf eher schlauchmäßigen auf fünfzehn ziemlich quadratische Quadratmeter umzog, war wieder Platz für ein jederzeit benutzbares Bett da, aber kein Bettgestell für den Futon.
Aber der damals noch gar nicht so urbane Stadtteil Kessenich hatte auf der anderen Straßenseite noch nicht wie heutzutage einen Discounter, sondern einen kleinen Palettenhandel. Der musste ja als Wohnumfeld endlich für etwas gut sein, und tatsächlich schenkte man mir dort zwei Paletten. Keine Europaletten, die es auch Anfang der 1990er schon gab, sondern zwei, die in kein Pfandsystem eingebunden waren.
Die trug ich nacheinander nach Hause, wuchtete sie auf den Dachboden, der sich über meinem Zimmer befand und auf dem etwas Gerümpel stand, aber noch genug Platz war, dass ich in den nächsten Wochen dort die Paletten abschleifen konnte. Dazu kaufte ich Schleifpapier und bearbeitete das Holz von Hand. Das war anstrengend, hatte ein paar Schürfwunden und Schwielen zur Folge und dauerte eine Weile. Aber, auch wenn das nicht der Grund für die Handarbeit war, freundeten wir uns schonmal an, die Paletten und ich. Und dann hatte ich mein Palettenbett. Es war super, wieder jederzeit zwei Quadratmeter gemütlichen Wohnraums zu haben.

Das Foto, das ich als Beweisfoto meines Palettenbettes rausgekramt habe, erinnert mich an soviel mehr. Am Kopfende stand mein Bücherregal. Da waren auch meine Aufschreibbücher für Gedichte drin. Wenn man Interessantes, Verstörendes, überhaupt Merkenswertes, das man irgendwo las, nicht aufschrieb, hatte man es damals ja nicht mehr zur Verfügung. Man konnte es nicht kurz fotografieren oder im Internet schnell wiederfinden.
Ich hab auf dem Bett tagsüber viel Zeit verbracht. Nicht nur zum Lesen, ich habe dort auch Tagebuch und Briefe geschrieben und studiert.
Was ich ohne das Foto schon vergessen hatte: Mein Cello hing über dem Palettenbett an der Wand. Damals griff ich noch ab und zu in seine Saiten. Und daneben hing der Abzug eines Fotos von Rembrandts altem Mann im Lehnstuhl. Und meine Erinnerungen fahren Achterbahn und ich könnte soviel aus diesem Zimmer erzählen. Wie ich den Blick aus dem Fenster liebte und dass die Dusche im Keller war und das Klo übern Flur. Aber gemach, gemach, Oecherin, schlaf erstmal drüber und sortier das ein und andere.

Wie es mit dem Palettenbett weiterging, das sei noch erwähnt.
Es zog nach dem Studium mit mir in ein Pfarrhaus, wo ich plötzlich 70 statt 15 Quadratmeter bewohnen sollte. Für jedes Möbelstück ein Zimmer: Bett, Schreibtisch, Sessel. Da blieb es noch ein paar Monate meine Schlafstatt. Die Paletten wurden anschließend eine Weile unter dem neuen, breiteren Bett aufbewahrt und der Futon wurde verschenkt.

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Zu Fuß nach Bonn

Ich bin heute zu Fuß zur Arbeit gegangen. Seit ich letztes Jahr im Sommer viel und lang kreuz und quer durch Köln gelaufen bin, hatte ich vor, das mal zu machen. Aber man glaubt nicht, was es alles für Gründe geben kann, die die Verwirklichung aufschieben. Wetter, krank, Termine, vergessen. Ihr kennt das. Heute passte endlich alles. Und zu kalt gilt nach -27 Grad Celsius in Yellowstone nicht mehr wirklich. Für Temperaturen rund um den Gefrierpunkt bin ich locker ausgerüstet.

Und es war wunderschön.
Der Zeitansatz kam nicht hin, und es waren wahrscheinlich auch mehr Kilometer, als die diversen Kartendienste im Telefon ausgerechnet hatten. Und nach der Hälfte war mir kalt und die Sonne hatte ich hinter mir auf den Hügeln gelassen. Fast wäre ich an der S-Bahn-Station, zu der mich der Reisgefährte morgens schonmal mitnimmt, eingeknickt. Was bin ich froh, dass ich mich überlistet habe! Denn am Rhein wurde es wieder schön, der Nebel lichtete sich. Und überhaupt habe ich mich sehr gefreut, das gesteckte Ziel zu erreichen.

Hier sind eine Reihe Eindrücke von meinem Weg aus dem Pleiser Hügelland in die Bonner Innenstadt. Sie sind alle mit dem Telefon entstanden: Ich hab ca. 12 km lang die große Kamera getragen, aber nicht benutzt. Da ich das Telefon eh öfters in der Hand hatte, um mich zu orientieren, war es mir mit zwei Geräten zu aufwendig. Und sowieso: Ich wollte ja gehen und nicht alle 10 Meter stehen bleiben. Und schon so gab es mehr Fotostopps, als vorher gedacht. Aber seht selbst: Das musste einfach sein.

P.S. Der Rückweg ist für ein anderes Mal geplant. Ich glaube, das dauert jetzt nicht fast anderthalb Jahre.

Sternenflut

Am vierten Adventssamstag ist die Stadt ein Ort der Ruhe und Beschaulichkeit. Man muss nur richtig hingucken. Und einfach ruhig weiteratmen, wenn man mal kurz mit den Massen den gleichen Weg hat.
Die Fotos sind etwas sternlastig. Und das Bonner Münster kommt mehr als einmal vor. Ich bitte das zu entschuldigen. Seien Sie gewiss: Sie müssen nicht alle Bilder angucken, nicht mal alle, die was geworden sind.

Adventsmoment am 2.12.16

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Ich wollte irgendwo sitzen und was aufschreiben. Da kam mir auf dem Rückweg vom Bahnhof der schöne TeaRoom auf dem Bonner Markt in den Blick, und dass es dort draußen trockene freie Plätze gab. Da ich mich eh auch abkühlen wollte: Perfekt.

Ja, perfekt, aber nicht für den gewünschten Zweck: Der Moment und der Ort forderten zu viel Aufmerksamkeit für sich alleine. Das alte Rathaus und das Uni-Hauptgebäude wollten aus der Perspektive fotografiert werden, mit und ohne Menschen mit bunten Schirmen davor. Und als mir eine freundliche Mitarbeiterin den Tee brachte, habe ich den auf dem Tisch hier und dorthin gerückt, bevor ich ihn trank.

Am meisten liebe ich von diesem Intermezzo das Foto mit der Spiegelung des Weihnachtsbaum in der Teetasse.
Mein Zeitplan kam ziemlich durcheinander.
Mein Glücksvorrat ist aufgestockt.

Dezembermorgen

Früher als sonst zur Arbeit unterwegs. Nicht mehr ganz Nacht, aber eindeutig noch nicht Tag. Spiegelnde Lichter am Rhein von der Beueler Promenade. Lichter in den Wohnhäusern auf der anderen Flussseite: Einige Menschen, die dort leben, sind noch nicht unterwegs. Ich bin spontan ganz verliebt in den ganz langsam schwarzdunkelblau werdenden Himmel und die Lichter auf den Straßen und in den Häusern.

Ich müsste mal um die Zeit hier mit Kamera unterwegs sein, am besten auch mit Stativ, denk ich, und überlege, wann das wohl möglich wäre und dass es dann bitte so klar sein soll, wie heute Morgen. 

Nicht verschieben! Jetzt auskosten, was möglich ist, ruft wer in meinem Hirn dazwischen. Jetzt geht aber nix. Geht nix? 10 Minuten später bin ich dienstlich unterwegs zur Bäckerei. Immer noch kein Morgenrot, immer noch wenig Leute, der Markt vor dem Bonner Rathaus im Aufbau. Jetzt auskosten, was möglich ist. Ich sehe weiterhin Morgenstimmung und Lichter und mache eben jetzt ein paar wenige Schnappschüsse. Weil auf meinem Weg eine Tür verschlossen ist, muss ich durch eine Kirche gehen, die mir zwei tolle Motive schenkt. Für das alles, ungelogen, nicht mehr als 5 Extraminuten. Morgens hab ich selten Zeit zuviel.

Den ganzen Tag gehen die sehr schönen Momente des Morgens mit. Die nimmt mir keiner. Die Fototour am Morgen? Bleibt wahrscheinlich eine Idee. Macht nix.



Erster Wintermorgen

Raureif, kalte klare Luft, blauer Himmel, Morgenrot am Horizont. Ich lass die Katzen raus und geh ein paar Schritte auf die Terrasse. Barfuß. Mit Bettwärme kein Problem, mit Faszination erst recht nicht: Ich will diesen schönen Wintermorgen komplett um mich rum haben, ein paar tiefe Atemzüge nehmen.
Beim Aufbruch zur Arbeit sieht es immer noch märchenhaft schön aus, draußen. An einer Lieblingsstelle halt ich kurz an: Die Sonne lugt grad über den Horizont und der Ölberg wird von der Seite angeleuchtet. Das möchte ich nicht nur im Rückspiegel sehen, sondern kurz richtig angucken. Und fotografieren.

Nur zwei Kilometer weiter verlass ich die Höhe des Pleiser Ländchens und fahre durch den Wald nach Bonn ins Rheintal hinab und sehe schon ganz bald kaum noch die nächste Straßenkurve: Dichter Nebel hat die Gegend im Griff. Auf der Bonner Südbrücke riskier ich einen Blick nach Süden. Ich kann nicht nur den Drachenfels nicht sehen, auch der Rhein liegt unter dickem Nebel.

Das Phänomen kenn ich. Aber es fasziniert mich heute wieder neu. Wahrscheinlich weil es sich oben zum ersten Mal wie Winter anfühlte und so wunderschön aussah. Und durch den Tag hindurch, der auch im Tal noch sehr schönes Wetter abbekommt, sag ich mir einige Male: Der Nebel ist nie die ganze Realität. Oft sind es nur ein paar Höhenmeter und alles sieht ganz anders aus.