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Fundsachen 14.1.2018

Dann und wann könnte ich hier ja auch Links zu Artikeln anderswo festhalten, die ich interessant finde. Mindestens um sie selber schneller wiederzufinden.

Monika Scheele Knight lässt sich einmal mehr beim Trauern um ihren vor bald zwei Jahren gestorbenen Sohn über die Schulter gucken. So viele Aspekte, die so bedenkenswert sind. Und sowieso anrühren. Ich hoffe, es gibt irgendwann ihr Buch dazu.

Welche wollen auf Biegen und Brechen missionieren, ein anderer Kirchengebäude zügig abreißen und Leute entlassen. Im Theosalon kommentiert Norbert Bauer treffend beides: Abriss und Kündigung.

Apropos Kirchen abreißen: Der Abriss des sogenannten Immerather Domes für den Braunkohleabbau stieß verständlicher Weise auf Protest und schmerzliche Emotion. In der taz eine Gegenrede zum Klagen.

Christiane Florin schaut pointiert auf ein gutes halbes Jahr Veröffentlichung ihres Buches „Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ zurück.

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Notizen vom Dienstag (28.6.2016)

Der Zahnarzt lobte meine Kooperation und Geduld. Mir fiel nur der mäßig gute Spruch ein: „Als katholische Theologin ist das eine meiner Stärken.“

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Mehr erfreue ich mich an einem neuen Wort, das mir heute in den Sinn kam, als ich auf dem Rückweg vom Zahnarzt zur Arbeit spontan auf die Idee kam, nicht den gewohnten Weg zu fahren, sondern schon mit der Fähre am Rolandseck auf die linksrheinische Seite zu wechseln. Was war das denn anderes als ein kleines, feines Alltagsupgrade? 

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So sah der Blick von der Fähre auf den Drachenfels aus:


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Nach der Geduld kam der Schmerz und ein Provisorium, das keine 12 Stunden am Zahn verblieb: Also kann ich schon bald meine Qualitäten als perfekte Patientin wieder unter Beweis stellen.

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Was ich heute unter anderem las:

Warum die Worte des Papstes über Respekt für LGBT-Menschen und die notwendige Bitte um Vergebung nicht reichen, stand klug kommentiert in der taz:

„Denn der Papst sagt „Christen“, wo er „meine Kirche“ sagen müsste. Denn nur für sie trägt er Verantwortung. Er individualisiert eine strukturelle Sünde dieser Kirche auf einzelne Gläubige, obwohl er eigentlich von Kirchenrecht und Kirchenstrukturen sprechen müsste.“

Und warum eine rigide Sexualmoral, wie sie im religiösen Kontext öfters auftaucht, gefährlich ist, erst recht, wo sie sich gegen Sexualerziehung für Kinder und Jugendliche wendet, schreibt Monika Jakobs im auch sonst lesenswerten Blog feinschwarz.net.

Die Tabuisierung von Sexualität führt zu ihrer Mythologisierung. Sie hat zwei Seiten: Sexualität wird verherrlicht, masslos überschätzt und gleichzeitig dämonisiert. Dämonisiert wird Sexualität auch in einer Rhetorik, welche kindliche Unschuld durch frühzeitiges Sprechen über Sexualität gefährdet sieht und wo sexuelle Freizügigkeit Jugendliche auf immer verdirbt.

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Am Abend dann Erschrecken über die Toten und Verletzten am Istanbuler Flughafen. 

Dabei merke ich, dass ich über soviel andere Brände, die mich empören, traurig machen oder entsetzen, nichts geschrieben habe. 

Empörungsfasten und aufbrechen (235/366)

Mein gestriger Beitrag geht mir nach. Trotz meiner Vorrede, dass der Verkäufer gar nicht meine Gedanken gedacht haben muss und einfach nur so etwas sparsam drauf war, hab ich das im Verlauf des Schreibens völlig vergessen und mich leicht in Rage geschrieben. Dabei spielte sich der Ärger über sein Verhalten vor allem in meinem Kopf ab. Er hat außerdem sorgfältig gearbeitet: Wer weiß, ob ich online wirklich das richtige Kabel bestellt hätte, oder stattdessen das erwischt hätte, wonach er als erstes gegriffen hat.

Mir geht durch den Kopf, was Johannes Korten vor zwei Jahren bloggte und mich nachhaltig beschäftigt hat. Gerade auch, weil ich leider nicht sehr gut darin bin: Sein Vorschlag vom Empörungsfasten, den ich alsLektüre nur sehr empfehlen kann.

Und so habe ich für mich entschieden, bewusster hinzuschauen, wählerischer zu sein, stärker zu priorisieren. Themen auch mal bewusst auszublenden, auch wenn es in Hirn und Fingern juckt. Wir stehen am Beginn der Fastenzeit. Und zum ersten Mal seit Jahren habe ich mir sogar wieder etwas vorgenommen. Was ganz Banales, das nicht der Rede wert ist. Aber gestern Abend kam dann ein weiterer Vorsatz für die noch verbleibenden sieben Wochen hinzu. Ich nenne ihn Empörungsfasten. Einfach mal weniger aufregen, gelassener werden, Milde walten lassen, ignoranter werden und die eigene Aufregung am Ende auf die Themen zu konzentrieren, die es wirklich wert sind und die ich am Ende auch enigermaßen fundiert beurteilen kann.

Ich glaube, meiner Gesundheit und meinem seelischen Gleichgewicht wird das gut tun. Und die verbale Umweltverschmutzung wird vielleicht ein klein wenig reduziert.

Seid Ihr dabei?

Ja, ich mache mit. Ab sofort. Inklusive der Konzentration auf die Themen, die es wert sind, empört bis zornig zu sein. Aber da ist so unendlich viel, bei dem Aufregung nur Energie abzieht, die persönliche bis allgemeine Stimmung drückt und Positives übersieht oder an den Rand drängt. Dabei will ich nicht mehr mitmachen. Wenigstens jetzt. 

Und außerdem poste ich heute nur noch einen andern Link, und zwar von @marawandelbar, die in ihrem Blogartikel davon erzählt, wie sie plötzlich ihre Urlaubspläne umschmeißt und statt Bekanntem, Vorhersehbarem spontan noch mal das Offene, Unbekannte wählt.

Völlig angestachelt von einer Idee um 1:30 Uhr Flugtickets buchen, vorher ohne einen Blick auf Wetterkarten und Veranstaltungskalender, nur mit Handgepäck. Jetzt geht es also Mitte März nach Warschau und von dort aus (momentaner Stand der Planung) weiter nach Lublin und Lemberg.

Ich bin froh, wieder vom ausgetretenen Pfad abzukommen, und ein Stück aus dem „Weihwasserbecken“ herauszuspringen, merke ich doch, dass ich bei aller Begeisterung für mein Studium immer wieder an eine Grenze stoße. Ich vermisse die Weite, war nie „nur“ Theologie. Meine Kamera hatte ich seit dem Umzug nur noch spärlich in der Hand, eigentlich fast gar nicht.
Das Fotografieren fehlt mir, das sich durch eine Stadt treiben lassen, ziellos und planlos, das entdeckerische allein sein, auf fremden Sofas und Böden schlafen, mit Händen und Füßen kommunizieren, die Abwechslung (…)

Auch das hat mich berührt. Konkret grad weniger in Bezug auf meine Urlaubsplanung, sondern auf dieses Ding mit der Fastenzeit, die gestern begonnen hat. Ausgetretene Pfade verlassen. Sehr verlockend.