Archiv der Kategorie: Katzensachen

Katzendramen

Die alte Katzendame faucht und knurrt  neuerdings mehrfach am Tag den Kater an. So wie wenn sie sich auf Nachbarshunde oder Tierärzt_innen stürzt. Den restlichen halben Tag und während der Nacht herrscht Frieden. 

Ach, verstünde ich nur.

Katzenliebe

Seit heute vor 10 Jahren gibt es Fusselroller, Katzenklos, Tierärztinnenrechnungen, Katzenfuttergerüche, Tapetenschäden, Katzensittermanagement und Mausgeschenke in meinem Leben. Das ist halt so. Auf der Glückseite steht aber viel mehr. Auch wenn mir 37 Jahre lang nichts gefehlt hat. Ich wusste eben nicht, wieviel öfters ich mit feliden Mitbewohnerinnen lachen, mich Zuhause fühlen und glücklich sein würde.
Danke, ihr drei wunderbaren Wesen! Von denen zwei, wie meistens, gerade im selben Zimmer sind wie ich, und von denen eine nicht mehr lebt, aber unvergessen bleibt.

10 Katzenjahre

Heute vor 10 Jahren habe ich meine ersten beiden Katzen zum ersten Mal gesehen. Nach dem Tod der Jüngeren erzählte ich hier schon mal, wie dieses Kennenlernen war

Im Tierheim war ein einziges Katzengespann, das als Wohnungskatzen vermittelt wurde. Zwei mussten es im Fall der Fälle eh sein, da tagsüber niemand Zuhause sein würde. Das soll man keiner Katze alleine antun, wenn sie nicht wenigstens rauskann. Von diesem Katzengespann, die drei und vier Jahre alt waren und gemeinsam nach dem Tod ihrer Herbergsmutter ins Tierheim gekommen waren, saß eine unbewegt hoch im Regal und ließ sich ohne weitere Regung mit geschlossenen Augen von mir streicheln. Die andere sah ich kaum: Sie rannte fluchtartig in den kleinen umzäunten Außenbereich des Geheges und versteckte sich.

Es gab keine Gründe, mich beim allerersten Gucken im Tierheim überhaupt zu entscheiden und dann noch für diese beiden. Aber es war schon passiert. Wie manchmal in meinem Leben. (…)
Einmal drüber schlafen wollte ich aber doch, musste eh mit meinem Vermieter sprechen und die Katzengrundausstattung kaufen. Die Nacht war schrecklich. Das Tierheim bot keine Reservierungen an und so wusste ich nicht, ob die zwei Katzen, für die ich mich längst entschieden hatte, am nächsten Morgen noch da sein würden. 

(…)

Urlaubsheimkehr

Zuhause ist, je näher ich ihm auf der Heinreise komme, plötzlich wieder etwas, auf das ich mich freue. Noch am letzten Reiseabend will ich meist weiter weiter.

Zuhause ist, wo ich mich besonders auf zwei Katzentiere freue. Und wo der Kater, der, wie die Katze laut Nachbarin drei Wochen nicht rauswollte, sich draußen fast überschlägt und umgehend eine Maus anschleppt.

Zuhause ist, wo sich das Smartphone automatisch mit dem WLAN verbindet.

Zuhause ist, wo ein Berg Post liegt, in dem nach dem Urlaub immer Handgeschriebenes dabei ist.

Zuhause ist, wo zu dieser Jahreszeit drei Sonnenblumen mehr am Futterhäuschen der Vögel aufgetaucht sind und blühen.

Zuhause ist, wo die Wiese bis über die Knöchel geht und noch eine Woche weiterdachten darf, weil die Rasenmäherin der Hausbewohner*innen morgen schon wieder für fünf Tage aufbricht.

Zuhause ist, wo der Reisegefährte alle gemeinsamen Taschen und Beutel schneller auspackt, als ich gucken kann, und dafür sorgt, dass es schneller wieder wie Zuhause aussieht.

Zuhause ist, wo die Vorratshaltung dank des Reisegefährten soweit reicht, dass es köstliche Spaghetti in scharfer Weinknoblauchsauce mit Lammsteaks geben kann, und der Hauptkoch des Alltags dabei noch Pause hat.

Zuhause ist, wo das kurze Zurückmelden bei der Katzensitterin doch immer eine halbe Stunde dauert. 

Zuhause ist, wo ich für die morgige Dienstreise abends packe und ein Architekturführer und zwei Kinderbücher der letzten Reise mitmüssen.

Zuhause ist, wo der Kater am Abend die leichte Scheu vom Nachmittag abgelegt hat und sich seine Streicheleinheit holt.

Zuhause ist, wo ich gerne bin und von wo ich gerne wieder aufbreche.

Erstes Katerjubiläum (300/366)

IMG_4502Ich hab es letztes Jahr in den Küchenkalender geschrieben und diesen Januar übertragen: Vor einem Jahr zog der Kater bei uns sein. Von den Anfängen hab ich schon erzählt, heute sei bloß gefeiert, dass er da ist. Einer, der der dominanten 13jährigen Katzendame das Wasser reicht und froh ist, oft einfach hinter ihr hertrotten zu können.
Einer, der immer noch sehr sehr scheu reagiert, wenn jemand Fremdes in seinem Revier auftaucht oder draußen vorbeigeht. Einer, der aber inzwischen auch gelernt hat, wer schonmal öfters hier auftaucht und ihm zumindest nichts Böses will, wenn er selbst zu seinem Fressnapf kommt. Einer, der sich immer mehr Gelegenheiten rausnimmt, von den beiden vertrauten Menschen gekrault zu werden. Der keine Angst vor Geräuschen oder neben ihn gelegte Bettdecken hat. Sowieso: Der sich soviel Platz im Bett nimmt, wie er für richtig hält. Dafür hat wer anders die Füße an der frischen Luft? Selber Schuld. Und: Scheint doch zu gehen.
Es ist schön, dass der Kater da ist. Der sich bislang nur einmal auf einen Schoß verirrt hat und der an ein paar wenigen Stellen in der Wohnung nicht aufhört, die Tapete zu lieben. Der womöglich Erschreckendes in seinen ersten fünf Lebensjahren erlebt hat. Der anders ist und bleibt als die beiden Katzen, die ich bislang näher kannte / kenne. Der hier alle Zeit der Welt hat, sich zu entwickeln. Der aber wundervoll ist, so wie er ist.

Möge das Katerleben hier weiter freundlich zu ihm sein. Wir geben ihn nicht mehr her.

Geschichten ohne Kinder, ohne Hund (271/366)

Wir sind die, die lange arbeiten, oft weg sind und den ungepflegtesten Garten haben, während unsere Katzen auf Anderleut Rasen machen. Nach sieben Jahren sind das nicht mehr die einzigen Dinge, die Nachbarn über uns  wissen, aber ohne Kinder und ohne Hund ist es nicht so leicht, im Dorf Kontakte zu knüpfen. Es passiert zumindest nicht einfach nebenbei vor der Kita oder beim Spazierengehen.

Mit Katzen lernt man dafür Kassiererinnen und Mitkundinnen kennen, wenn der Einkaufswagen mal wieder voller Verbrauchsgut für die Vierbeiner ist. 

„Sieben Mal das eine Katzenfutter. Wirklich nur die eine Sorte.“ – „Wirklich nur die eine Sorte? Die Kartons kosten nämlich unterschiedlich…“ – „Ja, nur die eine Sorte, die Mitbewohner fressen nichts anderes“ – „Ach ja, seit unser 15jähriger Nierenprobleme hat, bekommt der Schonkost. Und der 17jährigen müssten eigentlich Zähne gezogen werden, aber die hat so eine schwache Gesamtkonstitution“ 

Gefühlte 10 Minuten später kann ich endlich die Einkäufe im Auto verstauen und heimfahren, nicht ohne gefühlt alles über zwei Katzen und zwei Kinder, die jünger sind als die feliden Mitbewohner, zu wissen. Wie sich die Familie auf den Tod der beiden Tiere vorbereitet, welche Bestattungsarten in Frage kommen und welche nicht und wie schlimm das alles werden wird. Erst dann löste mich ein anderer, noch später einkaufender Kunde an der Kasse ab.

Auf der Heimfahrt grinse ich vor mich hin: So gerne ich privat und dienstlich Lebensgesxhichten zuhöre und Menschen ermuntere, sie mir zu erzählen, – ja, niemand zwang mich, der Dame an der Kasse verständnisvoll zuzuhören und das ein und andere nachzufragen – , so froh bin ich dann konkret doch, dass wir zumindest keinen Hund haben. Die privaten und die dienstlichen und genug zufällige Situationen, in denen Alltags- und Lebensgeschichten erzählt werden, reichen derzeit aus. Drei mal am Tag mit dem Hund raus: Oh mein Gott, was käm noch alles dazu. 

A cat is missing (125/366)

Gestern vor einem Jahr wurde die jüngere Katze eingeschläfert. Heute erzähle ich hier von ihr. Ich erzähle hier von ihr wie von allem andern, um mich zu erinnern und/oder zu sortieren. Gehen Sie gerne sofort weiter oder weg, wenn Sie finden, dass es schon mehr als genug Catcontent im Internet gibt.

Es blieb nur ein Tag, um zu realisieren, dass die Katze unheilbar krank war. Dann schon kam die Tierärztin zu uns nach Hause, um das Leiden des Tieres zu beenden.

Was ich in den 24 Stunden zwischen Diagnose und Tod realisiert habe: Wie sehr mein Herz an meinen beiden Katzen und speziell dieser, die so schnell nicht mehr da sein würde, hängt. Und wie weh es tun kann, Abschied von einem Haustier nehmen zu müssen, das sieben Jahre lang ein lebendiger Teil meines Alltags war.

37 Jahre meines Lebens bin ich sehr gut ohne Katzenklos und Katzenhaare in der Wohnung ausgekommen, konnte Fenster und Türen öffnen, wann ich wollte und musste auch fürs Wegfahren nur wen finden, der alle paar Tage nach Blumen und Post sah. Alles prima. Meiner Sympathie für die flauschige und eigensinnige Haustierspezies reichte es lange aus, zuweilen ein Katzenfräulein zu sitten und mir Komplimente von Katzenbesitzern einzuheimsen, wenn ihr gastscheues Tier plötzlich um meine Beine schnurrte oder gar auf meinem Schoß saß, ohne dass ich was unternommen hatte. A catperson is a catperson is a catperson.

Dass ich mich dann an einem Tag Anfang Februar mit einer Freundin im Aachener Tierheim wiederfand, um nur mal zu gucken, ob es derzeit überhaupt Wohnungskatzen in der Vermittlung gab, lag an ein paar Lebensumständen und an einem Spruch im Katzenkalender von Freunden: „Man lacht viel häufiger, wenn man eine Katze hat.“ (Mirjam Pressler)

Im Tierheim war ein einziges Katzengespann, das als Wohnungskatzen vermittelt wurde. Zwei mussten es im Fall der Fälle eh sein, da tagsüber niemand Zuhause sein würde. Das soll man keiner Katze alleine antun, wenn sie nicht wenigstens rauskann. Von diesem Katzengespann, die drei und vier Jahre alt waren und gemeinsam nach dem Tod ihrer Herbergsmutter ins Tierheim gekommen waren, saß eine unbewegt hoch im Regal und ließ sich ohne weitere Regung mit geschlossenen Augen von mir streicheln. Die andere sah ich kaum: Sie rannte fluchtartig in den kleinen umzäunten Außenbereich des Geheges und versteckte sich.

Es gab keine Gründe, mich beim allerersten Gucken im Tierheim überhaupt zu entscheiden und dann noch für diese beiden. Aber es war schon passiert. Wie manchmal in meinem Leben. Das zu ergründen ist müßig und sowieso ein eigenes Thema.

Einmal drüber schlafen wollte ich aber doch, musste eh mit meinem Vermieter sprechen und die Katzengrundausstattung kaufen. Die Nacht war schrecklich. Das Tierheim bot keine Reservierungen an und so wusste ich nicht, ob die zwei Katzen, für die ich mich längst entschieden hatte, am nächsten Morgen noch da sein würden. Sie waren es, die Mitarbeiterin fing die beiden ein und die Freundin, die auch tags zuvor dabei war, fuhr mich und die beiden nach Hause. Als wir dort die Transportkörbe öffneten, kam mir die Ungeheuerlichkeit meines spontanen Entschlusses vor Augen: zwei fremde Wesen nahmen Besitz von meiner Wohnung und würden ohne weiteres nicht mehr daraus verschwinden.

Um endlich zur Katze, die jetzt nicht mehr ist, zu kommen: So unsichtbar sie im Tierheim war, dachte ich: Immerhin lässt sich die andere streicheln. Das ist ja schonmal was. Und wenn die zwei sich verstehen, soll mir das recht sein. Wer jedoch warf sich nach wenigen Stunden in meiner Wohnung vor mich auf den Boden, um sich durchkraulen zu lassen? Dieses schreckhafte Wesen. Und so vertraut mir beide mit der Zeit wurden und nur bei Besuchern wegrannten oder um sich schlugen: Von dieser jüngeren Katze habe ich in besonderer Weise Pause machen und genießen gelernt. Was die drei weiteren Menschen, die sie mit der Zeit an sich ranließ, übrigens bestätigen. Wenn sie gestreichelt werden wollte, machte sie das nicht nur unmissverständlich klar und schmiss sich notfalls so an einen ran, dass man keinen Rollkragenpullover mehr brauchte. Sie zerfloss auch derartig vor Wonne, dass man sofort mit ihr tauschen wollte, keinesfalls aber aufhörte.

Gleichzeitig, und fragen Sie nicht, wie das zusammenpasst, war sie die Schreckhafteste von allen Katzen, die mir bislang begegnet sind. Ein Niesen eines vertrauten Menschen reichte, dass sie Reißaus nahm und in der nächsten Viertelstunde nicht mehr auftauchte.

Gleichzeitig, und fragen Sie nicht, wie das zusammenpasst, war sie die neugierigste Katze der Gegend. Als mir beide Katzen in der Aachener Stadtwohnung mal entwischt waren, war sie diejenige, die in Kürze im Dachfenster einer Wohnung im Nachbarhaus verschwand. Was sie da gesehen hat? Sie kam zu aller Beteiligten Glück nach 10 Minuten ohne Goldfisch oder Papagei im Maul wieder raus.
Seit sie nicht mehr da ist, stehen hier in der Wohnung Kartons aller Größe ungenutzt in der Gegend rum, die wir aus Routine nicht sofort ins Altpapier bringen, da doch sicher eine Katze damit spielen will. Von wegen. Die Karton und Kistenkatze ist weg. Der Wäschekorb mit Deckel, der ihr liebstes Dauerversteck war, ist verwaist. Es werden keine Schranktüren mehr mit Samtpfoten geöffnet, keiner klettert mehr in den letzten Winkel auf dem obersten Regalbrett. Es ist fast langweilig geworden, eine Katze im Haus zu suchen, seit der neue Kater nicht mehr seine Anfangspanik schiebt.
Die fünf Jahre, die sie nach dem Umzug an den Rhein noch Freigängerin sein konnte, hat sie ausführlich für sich genutzt. Sie war eine gute Mausfängerin, hat das Eichhörnchen nach spektakulärer Jagd bis in Baumwipfel zum Glück nicht erwischt, machte die längsten Streifzüge durch die Gegend, war schneller als alle Hunde der Nachbarschaft und räkelte sich mit Wonne auf von der Sonne warmen Steinen.

Alles ganz normale Katzengeschichten, vermutlich. Da die jüngere Katze mit der sehr dominanten bis kratzbürstigen älteren Katze die ersten ihrer Spezies waren/sind, die ich so nah in meinen Alltag ließ, war das alles für mich besonders. Dass ich mit diesen Katzen, wahrscheinlich speziell mit der neugierigen, überraschenden jüngeren Katzendame mehr gelacht habe, als ohne feilde Mitbewohnerinnen, ist auch Fakt und ließ über die Jahre nicht nach.

Sie, die jetzt fehlt, war die, bei der ich zwischendurch immer mal dachte: Sie kommt eines Tages einfach nicht mehr nach Hause. Dass sie 14, 16, gar 20 Jahre alt werden würde, hab ich bei ihr nie vermutet. Dass sie nach 10 Lebensjahren so schwer und so aggressiv krank werden würde, dass keinerlei Chance auf Heilung bestand, das war sehr bitter. Aber dass es sie bis dahin gab, war – mit der Nummer Eins hier im Haus – das Beste, was mir in meinen ersten sieben Katzenjahren passieren konnte.

Zum Schluss noch ein Bild von der schönen Katze mit dem weichsten Fell und dem buschigsten Schwanz. Und zwei von ihrem liebsten Versteck in der Wohnung. Hier in der ungewöhnlich sichtbaren Variante.

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Kater-TÜV

Am Freitag kommt eine Katzenbeirätin des Tierheims zu Besuch, um nachzusehen, ob mit dem Kater, den wir adoptiert haben (so die Tierheimsprache), alles in Ordnung ist. Wir hoffen, sie wird das auch in Abwesenheit des Katers irgendwie feststellen können.

tl,dr: Wie ein extrem scheuer Kater zwei Menschen- und ein Achtel eines Katzenherzen erobert, für den Rest der Welt aber unsichtbar bleibt.

Der hübsche schwarze Kater wohnt jetzt seit drei Monaten bei uns. Wir hatten Ende April das Tierheim aufgesucht, um einen neuen Artgenossen für unsere verbliebende Katze zu finden: Ein halbes Jahr lebte sie mittlerweile allein bei uns, sprach noch mehr als zuvor und schaffte es noch viel häufiger als vorher, uns zum Stolpern und sich selbst zum Aufschreien zu bringen, so oft stand sie genau da, wo der nächste Schritt hinsollte. Das ging so nicht weiter, auch wenn wir nicht sicher waren, ob sie andere Katzen neben sich haben könnte, sie, die uneingeschränkte Herrin des Hauses.
Wir haben also das Tierheim aufgesucht, um ein eher zurückhaltendes, verträgliches Katzentier zu finden, gerne eins, das gleichzeitig zutraulich und menschenfreundlich ist. Die Vorstellung, wenigstens einmal mit einer Katze zusammenzuwohnen, die nicht vor Gästen, speziell Gastkindern, reißaus nimmt (wie die gestorbene Katze) oder über sie herfällt (wie die Hausherrin es schonmal tut), beseelte uns. Doch dann sahen wir diesen hübschen schwarzen Kater und der Rest war plötzlich egal. Wir gaben uns damit zufrieden, dass er ein Kriterium erfüllte, nämlich schüchtern und zurüchhaltend zu sein. Was ist das gelegentliche Glück von Gästen, wenn tagtäglich zwischen den Hausbewohnern Frieden herrscht.
Wir sahen also zu, wie dieser Kater selbst von seiner Vertrauensperson im Tierheim („wenn er Sie erstmal kennt, wird er zur Schmusebacke“) nicht ohne weiteres eingefangen werden konnte und brachten ihn nach Hause.
Dort hatten wir alles vorbereitet: Für die erste Zeit ein eigenes Zimmer mit neuem Kratzbaum, eigener Toilette, Wasser und Futterplatz. Die Tür mit zwei Sichtfenstern ausgestattet, eins auf Katzen-, eins auf Menschenhöhe.
Die nächsten zehn Tage wussten wir um die Vitalfunktionen des Katers lediglich durch leergefressene Näpfe und benutztes Katzenklo. Wenn wir uns flach auf den Boden legten, konnten wir schon mal seine Hinterpfoten und das Schwanzende in der Luft hängen sehen. Wie er sich in der Rückenlehne des Sofas festkrallte, wenn wir nach ihm schauten, wollten wir gar nicht genauer wissen und ließen ihn schnell wieder in Ruhe.
Bei der Hausherrin-Katze waren wir uns zunächst gar nicht sicher, ob sie den Einzug des Neuen nicht mitbekommen hatte, oder ob sie einfach so tat, als wäre da nichts. Jedenfalls hing sie nicht fauchend vorm Sichtgitter der Tür: Das war schon eine Erleichterung.
Nach besagten zehn Tagen ließ sich der Kater ab und zu kurz sehen und legte dann ein ziemliches Tempo vor: Nach zwei Wochen riss er in einer Nacht das Katzensichtgitter fast aus seiner Verankerung und rieb sich morgens schnurrend an unseren Fingern, die wir ihm todesmutig durch das Gitter entgegenstreckten.
Bald öffneten wir daraufhin die Tür und wurden in den nächsten Tagen und Wochen Zeugen, wie die Hausherrin ihn anfauchte, knurrte und auf ihn losging, bei diesen Aktionen aber zum Glück nie Blut floss, sich stattdessen jedoch langsam eine Rangordnung einstellte.
Im Gegensatz zu einigen KatzenexpertInnen, die uns prophezeit hatten, dass die Tage der Hausherrin als Hausherrin gezählt seien, wenn ein wesentlich jüngerer, größerer, körperlich überlegener Kater ins Haus käme, blieb die Hausherrin Hausherrin und der Kater ordnete sich unter. Wie ich mich für sie freue! Und dem Kater gaben wir heimlich vermessene Zweinamen (Mahatma Martin Luther Jr.), da er weder der Katze gegenüber noch uns je seine Krallen gebrauchte, sondern gewaltlos seinen Platz erstritt.
Im Abholen von Kuscheleinheiten wurde er sogar bald die Nummer eins, einfach weil er schneller aufs Bett sprang, wo er sie vermutete und bekam. Und nachts pirschte er sich Zentimeter für Zentimeter an die Hausherrin ran und gab diese Annäherungsform trotz diverser Rückschläge (sic!) nicht auf. Inzwischen machen die beiden häufig auf dem selben Sofa oder Bett Siesta und berühren sich immerhin schon mit ihren Fellspitzen. Das hätten wir in nur drei Monaten unserer Primadonna, die schon zwei Tierärtzinnen verletzt hat und sich erfolgreich mit den Nachbarshunden prügelte, niemals zugetraut.
Wie aufregend für alle Beteiligten seit zwei drei Wochen die ersten Ausflüge (oder sollte ich sagen: Hochgeschwindigkeits- und Kurzstrecken-Sprints) des Katers nach draußen von statten gehen, ist eine eigene Geschichte.
Jedenfalls ist aus einem total hübschen aber auch total verschüchterten schwarzen Kater in erstaunlich kurzer Zeit ein total hübscher, sich im vertrauten Familienkreise einigermaßen sicher im Haus bewegender schwarzer Kater geworden. Sind Gäste im Haus, ist das alte Fluchttier wieder da, genau genommen jedoch weg. Tatsächlich nur Gastkinder konnten schon mal einen Blick auf ihn erhaschen. Da geht also im Laufe der nächsten Jahre vielleicht noch was: Irgendwann wird es ja auch Gastkindeskinder geben.

Wen oder was die Katzenbeirätin vom Tierheim am Freitag bei uns sehen wird: Ich gebe keine Prognose ab. Aber ich kram im Telefon mal nach den vier fünf Bildern, auf denen man den hübschen schwarzen Kater, teils auch in traulicher Pose, erkennen kann.
Das Gute: Einfach wieder mitnehmen können wegen Den-sieht-man-ja-gar-nicht-Das-ist-aber-nicht-gut-hier wird die Dame den Kater definitiv nicht. Er wird sich ja nicht blicken lassen.

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