Archiv der Kategorie: Lebensgeschichten

Treibgut und Erinnerungen

Ich wusste, dass es irgendwann passiert. So war es heute morgen traurig, aber nicht tragisch, als ich ans linke Ohrläppchen griff und ihr Fehlen bemerkte. 

Beim Zerschellen einer Schüssel, von meiner Großmutter zum Studienbeginn aus ihrem Bestand geschenkt, musste ich neulich unmittelbar heulen. Heftig. Kurz. Eine Erinnerung, die nicht mehr greifbar ist. „Hier, Kind, die benutz ich fast nie. Nimm die mit. Und hier, die beiden Teller. Die passen eh zu keinem Service mehr.“ Aus der Zeit, in der ich nur ein Zimmer bewohnte und zwei Kochplatten auf dem Flur und eine Dusche vier Etagen tiefer im Keller zur Mitbenutzung hatte. 

Die schlichte, kleine, nicht zu schmale, silberne Creole, die seit heute morgen fehlt und vermutlich seit gestern im indischen Ozean liegt, war ein Geschenk meiner Mutter. Als ich vor gut 15 Jahren einmal Weihnachten in Sambia verbrachte, gab sie mir ein kleines Geschenk für den Abend des 24.12. mit. Dass sie mir ausgerechnet sowas gekauft hätte, hätte sie selber überrascht. Aber es müsse ja nun klein sein fürs Reisegepäck. Und wenn es mir nicht gefallen sollte, könnte ich es umtauschen. Das wäre, hätte man ihr im Geschäft am Stadtrand versichert, auch mit dazwischen liegender Afrikareise kein Problem.

Ich verstaute das kleine Päckchen in einer sicheren Ecke des Koffers und erinnerte mich an Heiligabend daran, obwohl ich übervoll mit einmaligen bis großartigen Weihnachtsmomenten war. Wir hatten mit einem Pickup Säcke weißen Maismehls, Grundnahrungsmittel der Gegend, in eine Dorfgemeinschaft bedürftiger Frauen gebracht; ich hatte mich bei 35 Grad im Schatten in amerikanische Weihnachtsschlager verliebt, die aus dem Autoradio tönten; die Christmette auf Chitonga hatte mit blökenden Kinderschafen, die auf allen Vieren durch die Kirche rannten, mein Herz erwärmt; der Pfarrer war kurz vor Schluss unterm Altar verschwunden, um einen Cassettenrekorder anzuschalten, aus dem Boney M. auf Deutsch Stille Nacht sang. Ich war die einzige Person in der überfüllten Kirche, deren Sprache das war. Dass ich das Lied nie sonderlich mochte: seit dem Abend ist das so egal. Nach der Mette gab es bei Sr. Mary obersüßen irischen Weihnachtskuchen und es wurde neben einem Plastikweihnachtsbaum mit flackernder Lichterkette und viel häßlichstem Lametta irgendein Kartenspiel gespielt, das ich kaum verstand aber langsam erlernte. Und irgendwann, bestimmt nach Mitternacht, immer noch bei drückend feuchten 30 Grad, im rosa Gästezimmer mit Dusche in der Ecke und dem schmalen Bett mitten im Raum und dem leicht angegrauten Moskitonetz, habe ich das Geschenk meiner Mutter ausgepackt und hatte diese beiden schlichten, kleinen, nicht zu schmalen, silbernen Creolen in der Hand. Sie gefielen mir sehr gut, und gerührt verstand ich, warum meine Mutter sich ein wenig wand und verlegen lächelte, als sie vom Finden des Geschenks erzählte. 
Denn sie findet Ohrlöcher eine völlig unnötige Minimalverstümmelung und machte, meine Entscheidung diesbezüglich respektierend, über Jahre Scherze darüber oder ließ freundliche Lästereien fallen. Und als sich ihre Tochter mit Anfang Dreißig auf andere große eigene Wege machte, zog sie los, um ihr schöne Ohrringe zu kaufen.

Ich habe die Creolen je länger je häufiger getragen, seit ein paar Jahren fast nichts anderes mehr. Ich habe ein paar mal schon eine der beiden beinahe verloren: Sie hing bei geöffnetem Verschluss noch so grade im Ohr oder in den Haaren, oder fiel in die Duschwanne. Seitdem wusste ich, dass es irgendwann mal dazu kommen würde, einen der beiden Ohrringe zu verlieren. Da ich sie vor dem momentanen Urlaub gut drei Monate lang nicht mehr ausgezogen hatte und nicht passiert war, dachte ich vorm Schnorcheln im Meer nicht mal dran, sie auszuziehen. Verrückt, schließlich zog ich selbst den sonst immer getragenen Ehering aus, nachdem er vor vier Jahren, beim ersten Schnorchelgang überhaupt, mal kurz im indischen Ozean verschwunden war. Dass ich die Ohrringe gestern anließ war also fahrlässig. Oder im Vertrauen der letzten Jahre, dass wir zusammengehören.
Aber ich weine nicht. Es ist passiert, was nun mal passieren kann. Und dass die gemeinsame Geschichte in Afrika begann und in Afrika endet, ach, das entlockt mir fast ein Lächeln.

Something new

Version 2

Ich brauch kein neues Hobby. Ich hab außerdem schon so lange nicht mehr gemalt. Von allen ungelesenen Büchern red ich erst gar nicht. Und da steht ein Cello in der Ecke und verstimmt vor sich hin.

Vier von vielen Gründen, die seit Jahren gegen die Anschaffung einer Nähmaschine sprachen.

Vorgestern hab ich diese Anschaffung nach einiger online-Recherche und einer Twitterumfrage getätigt. Heute brachte der Paketmann sie bis zur Wohnungstür. Und nachdem ich den Platz für die Nähmaschine freigeräumt hatte – der Reisegefährte hielt schon das Geräusch des Aktenvernichters für den neuen Motor im Haus – und erstmal Kaffee getrunken und Schokonüsse gegessen hatte, ist sie in Benutzung.

Und sie hat sich schon fast bezahlt gemacht: Eine umgenähte Hose, zwei reparierte Nähte und ein Plan zum Flicken eines Lieblingskleidungsstücks gingen flugs von der Hand. Und nach etwas Übung an weiteren eigenen Sachen geh ich demnächst dem Reisegefährten an die Hosenbeine.

Und als ich eben glücklich mit Garn, Spulen, Nadel, Handdrehrad, Fußpedal und Stoff beschäftigt war, wusste ich, dass es gar nicht die vier genannten Gründe waren, die mich seit Jahren davon abhielten, mir eine Nähmaschine zu organisieren: Ich hatte die Sache mit dem Nähen mit Stress in Erinnerung. In meiner Familie haben drei Generationen von Nähmaschinen gelebt. Und so wie ich gestrickt bin, hat es mir was ausgemacht, nicht so perfekt zu sein wie die, deren Maschine ich nutzen durfte. Ich hatte wenig Geduld mit mir, dafür viel zu hohe Ansprüche. Und zwar mehr eigene, als dass sie von außen an mich ran getragen wurden, glaub ich.
Warum auch immer ist jetzt, Jahrzehnte später, der Zeitpunkt da, mit praktischen Erwägungen und einer Menge Spaß neu zu beginnen. Dazu gehörte auch, nicht meinen Stammbaum zu befragen, was ich bei der Anschaffung beachten soll, oder zu warten, bis diese oder jene Maschine generalüberholt perfekt für mich wäre. Ohne Erwartungsdruck von außen freute ich mich heute sehr, dass nur der Reisegefährte zwei Zimmer weiter mitbekam, wie die erste Naht gelang. Und die entstand nicht auf Probestoff, sondern sofort an einem Kleidungsstück. Toll, dass ich wie beim Radfahren bestimmte Grundfertigkeiten nicht verlernt habe. Und dass es das Internet mit Videotutorials zum erinnern und neu lernen gibt.

Ach, wie schön, dass sich ein Kreis schließt und ich mich mit mir selbst an einem wunden Punkt versöhne. Ein Grund mehr, mich mit Anfang Ende Vierzig in den besten Jahren zu ahnen.

Katzenliebe

Seit heute vor 10 Jahren gibt es Fusselroller, Katzenklos, Tierärztinnenrechnungen, Katzenfuttergerüche, Tapetenschäden, Katzensittermanagement und Mausgeschenke in meinem Leben. Das ist halt so. Auf der Glückseite steht aber viel mehr. Auch wenn mir 37 Jahre lang nichts gefehlt hat. Ich wusste eben nicht, wieviel öfters ich mit feliden Mitbewohnerinnen lachen, mich Zuhause fühlen und glücklich sein würde.
Danke, ihr drei wunderbaren Wesen! Von denen zwei, wie meistens, gerade im selben Zimmer sind wie ich, und von denen eine nicht mehr lebt, aber unvergessen bleibt.

10 Katzenjahre

Heute vor 10 Jahren habe ich meine ersten beiden Katzen zum ersten Mal gesehen. Nach dem Tod der Jüngeren erzählte ich hier schon mal, wie dieses Kennenlernen war

Im Tierheim war ein einziges Katzengespann, das als Wohnungskatzen vermittelt wurde. Zwei mussten es im Fall der Fälle eh sein, da tagsüber niemand Zuhause sein würde. Das soll man keiner Katze alleine antun, wenn sie nicht wenigstens rauskann. Von diesem Katzengespann, die drei und vier Jahre alt waren und gemeinsam nach dem Tod ihrer Herbergsmutter ins Tierheim gekommen waren, saß eine unbewegt hoch im Regal und ließ sich ohne weitere Regung mit geschlossenen Augen von mir streicheln. Die andere sah ich kaum: Sie rannte fluchtartig in den kleinen umzäunten Außenbereich des Geheges und versteckte sich.

Es gab keine Gründe, mich beim allerersten Gucken im Tierheim überhaupt zu entscheiden und dann noch für diese beiden. Aber es war schon passiert. Wie manchmal in meinem Leben. (…)
Einmal drüber schlafen wollte ich aber doch, musste eh mit meinem Vermieter sprechen und die Katzengrundausstattung kaufen. Die Nacht war schrecklich. Das Tierheim bot keine Reservierungen an und so wusste ich nicht, ob die zwei Katzen, für die ich mich längst entschieden hatte, am nächsten Morgen noch da sein würden. 

(…)

Wie ich mich einst bettete

Wie ich mal als Studentin ein Palettenbett hatte und anderthalb Erinnerungen aus dem Zimmer, in dem das Bett stand.

Die 16jährige will sich ein Bett aus Paletten bauen. Für einen kurzen Moment denke ich: „Wow, ich hab doch höchstens kurz und wann überhaupt davon erzählt, dass ich so eins als Studentin hatte. Dass das solche Auswirkungen…“ Aber dann frag ich erstmal, wie sie darauf kommt. „Die sehen auf Instagram und youtube toll aus und mein Bett schwächelt. Außerdem sind die nicht so schwierig herzustellen. Und ich find die echt cool.“

Okay, ich bin nicht das Rolemodel in dieser Sache. Macht nichts. Vielleicht gibt es einen PatentantenCoolnessPunkt, dass ich sowas mal hatte. Und wenn nicht, ist es auch egal. Ich bin in meinen Erinnerungen unterwegs und das ist jedenfalls ein Gewinn.

So ungefähr mit 22 Jahren habe ich mich für einen größeren Schreibtisch und gegen mein Bettgestell entschieden. In das kleine Studentinnenzimmer in Bonn-Kessenich passte beides nicht rein. Und da damals Futons ähnlich angesagt waren, wie vielleicht heute selbstgebaute Palettenbetten, wählte ich einen größeren Schreibtisch und ein Futon. Der lag nachts in der Mitte der Zimmers und stand tagsüber zusammengerollt unter der Dachschräge, wo eh nicht viel anderes hinpasste.
Als ein Jahr später das Nachbarzimmer frei wurde und ich von zwölf eher schlauchmäßigen auf fünfzehn ziemlich quadratische Quadratmeter umzog, war wieder Platz für ein jederzeit benutzbares Bett da, aber kein Bettgestell für den Futon.
Aber der damals noch gar nicht so urbane Stadtteil Kessenich hatte auf der anderen Straßenseite noch nicht wie heutzutage einen Discounter, sondern einen kleinen Palettenhandel. Der musste ja als Wohnumfeld endlich für etwas gut sein, und tatsächlich schenkte man mir dort zwei Paletten. Keine Europaletten, die es auch Anfang der 1990er schon gab, sondern zwei, die in kein Pfandsystem eingebunden waren.
Die trug ich nacheinander nach Hause, wuchtete sie auf den Dachboden, der sich über meinem Zimmer befand und auf dem etwas Gerümpel stand, aber noch genug Platz war, dass ich in den nächsten Wochen dort die Paletten abschleifen konnte. Dazu kaufte ich Schleifpapier und bearbeitete das Holz von Hand. Das war anstrengend, hatte ein paar Schürfwunden und Schwielen zur Folge und dauerte eine Weile. Aber, auch wenn das nicht der Grund für die Handarbeit war, freundeten wir uns schonmal an, die Paletten und ich. Und dann hatte ich mein Palettenbett. Es war super, wieder jederzeit zwei Quadratmeter gemütlichen Wohnraums zu haben.

Das Foto, das ich als Beweisfoto meines Palettenbettes rausgekramt habe, erinnert mich an soviel mehr. Am Kopfende stand mein Bücherregal. Da waren auch meine Aufschreibbücher für Gedichte drin. Wenn man Interessantes, Verstörendes, überhaupt Merkenswertes, das man irgendwo las, nicht aufschrieb, hatte man es damals ja nicht mehr zur Verfügung. Man konnte es nicht kurz fotografieren oder im Internet schnell wiederfinden.
Ich hab auf dem Bett tagsüber viel Zeit verbracht. Nicht nur zum Lesen, ich habe dort auch Tagebuch und Briefe geschrieben und studiert.
Was ich ohne das Foto schon vergessen hatte: Mein Cello hing über dem Palettenbett an der Wand. Damals griff ich noch ab und zu in seine Saiten. Und daneben hing der Abzug eines Fotos von Rembrandts altem Mann im Lehnstuhl. Und meine Erinnerungen fahren Achterbahn und ich könnte soviel aus diesem Zimmer erzählen. Wie ich den Blick aus dem Fenster liebte und dass die Dusche im Keller war und das Klo übern Flur. Aber gemach, gemach, Oecherin, schlaf erstmal drüber und sortier das ein und andere.

Wie es mit dem Palettenbett weiterging, das sei noch erwähnt.
Es zog nach dem Studium mit mir in ein Pfarrhaus, wo ich plötzlich 70 statt 15 Quadratmeter bewohnen sollte. Für jedes Möbelstück ein Zimmer: Bett, Schreibtisch, Sessel. Da blieb es noch ein paar Monate meine Schlafstatt. Die Paletten wurden anschließend eine Weile unter dem neuen, breiteren Bett aufbewahrt und der Futon wurde verschenkt.

fullsizeoutput_2682fullsizeoutput_2683

 

 

Hallo neues Kalenderjahr!

Ich mag Anfänge. Und seien sie einem Zeitordnungssystem geschuldet. So habe ich heute Geburts-, Todes- und andere Jahrestage in den neuen Küchenkalender übertragen. Und so wanderten meine Gedanken einmal durch die neuen zwölf Monate, die diese Sieben am Ende der Jahreszahl haben. Und auch wenn mich globale und nationale politische Fragen in Atem halten und gesellschaftliche Entwicklungen beunruhigen, gibt es diese mittelfristige persönliche Zukunft. Und da stehen solche Ereignisse an:

In 2017 werde ich…

…mit meinen Patenkindern drei Tage in Rom verbringen, und das schon ganz ganz bald. Eins arbeitet da ein paar Monate, also findet das traditionelle Zu-Dritt-Wochenende dort statt.

…im Februar den zehnten Jahrestag mit der alten Katzendame feiern. Und außerdem geb ich die Hoffnung nicht auf, dass der Kater bis Sommer auch mal auf meinen Schoß klettert, wenn keine dicke Decke drauf liegt.

…wieder viel mit dem Reisegefährten unterwegs sein. Meist zu zweit, dieses Jahr aber auch wieder zusammen mit anderen. Ganz besonders freu ich mich darauf, dass wir so verrückt sind, viel früher als gedacht noch mal nach Yellowstone zu reisen.

…wieder eine Woche ohne Worte verbringen.

…weiter fotografieren, womöglich täglich. Ich bin gespannt, wie das wird.

…viele Menschen treffen und freue mich darauf. Menschen, die ich kenne, und welche die ich neu oder anders kennenlernen werde.

…wieder mehrfach mehrtägig arbeiten. Ich mache das sehr gerne. Besonders freue ich mich auf ein völlig neues Ding im Mai. Ach, das wird toll.

…zwei Barcamps besuchen. Und, ja, es könnte sein, dass ich all meinen Mut zusammennehme und eine Session anbiete.

…nochmal Tante. Nach den nicht unbeschwerten Umständen der Geburt des großen Bruders weiß ich, wie wenig selbstverständlich das ist und fiebere und freu mich mit.

…im Lieblingsgarten in der Lieblingshängematte liegen. Juchhu. Und in unserm Garten und anderswo hoffentlich einige Zeit mit meinen Liebsten verbringen.

… jede Begegnung mit dem alten Oecher besonders wertschätzen. Ob wir mit der Familie im November den 87. Geburtstag des Alten Oechers feiern werden, da bin ich mir nicht so sicher.

…weiter Diversität feiern, wo ich sie erlebe. Und mich für sie stark machen, wo sie bedroht wird. Auch in meiner Kirche. Und ich werde für Vielfalt einstehen, am liebsten mit Liebe, Freundlichkeit und Überzeugung.

…einfach weiter glücklich sein.

_________
*Der Jahresvorausblick ist inspiriert von den Monatsplänen der frischen Brise

18 Worte von Paul Gerhardt

O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen!

Diese 18 Worte von Paul Gerhardt gehören zu meinen persönlich heiligsten Weihnachtsmomenten. Ich liebe Ich steh an deiner Krippen hier länger, als ich denken kann. Und zwar nicht in der bekannteren Version aus dem Weihnachtsoratorium, sondern in der Bachvariante, die eine bewegtere Melodie und diesen wunderschönen Basslauf als Begleitung hat. Mit diesem Lied verbinde ich sehr viel: Mit Mutter und einem Bruder habe ich diese Version oft gesungen. Im Wohnzimmer, im Auto, im Parkhaus. Erst mit diesen paar  Minuten fühlte sich viele Jahre lang Weihnachten wie Weihnachten an. Und wie das schonmal mit Texten ist, die eine schon das ganze Leben begleiten: Nicht nur Ende Dezember und Anfang Januar tauchen Verszeilen dieses Liedes in meinem Sinn auf. Und geben Momenten, Situationen und Gefühlen schonmal Worte, wenn mir  grad selber keine einfallen.

Eine Version des Liedes, die mir richtig gut gefällt, habe ich bislang online noch nicht gefunden. Ich fürchte, meine Ansprüche sind sehr hoch, vielleicht auch einfach nur sehr speziell. Und meine Mutter, mein Bruder und ich haben nie auf die Aufnahmetaste irgendeines Gerätes gedrückt.
Heute habe ich noch mal einen Suchversuch unternommen. Und beim zwanzigsten Link, kurz vorm Aufgeben, blieb ich hängen. Es werden zwar nur zwei Strophen von dem Jungen dargebracht, aber die beiden wichtigsten Melodien klingen zusammen. Und da macht einer ganz uneitel und hochkonzentriert und gerne schöne Musik. Hach.
Frohe Weihnachten.

 

 

 

Der alte Oecher und der Heilige Abend.

Letztes Jahr an Heiligabend fragte der alte Oecher mehrfach, wo man denn abends schlafen könne, man hätte ja noch kein Quartier.

Gestern weigerte er sich am Abend, vor dem Zubettgehn die Kleider auszuziehen, legte sich komplett angezogen samt seiner Schuhe ins Bett und verlangte drei Decken.

Da er nicht berühmt ist, wird keine Kunstaktion daraus. Sowieso fragen wir uns, wie es weitergeht. Und erstmalig benenn ich das Gefühl, dass er am nächsten Heiligabend keine Decke mehr braucht. 

Gleichzeitig sind beide Heiligabend-Momente wundervoll. 

Es ist nicht alles so einfach, wie es meist scheint.

2017-Schwäche

Oft schreib ich als Jahreszahl schon die 2017 auf. Als könnte es nicht schnell genug beginnen, das neue Jahr. Nein, ich will nicht schnell weg hier. 2016 war für mich persönlich nicht einfach, aber meistens schön.
Wenn ich das Jahr schon seit Wochen und damit auch mich regelmäßig vordatiere, ist das mit dem Älterwerden wahrscheinlich echt nicht schlimm. Ende 40. Warum nicht.

Türchen ohne Adventskalender

Dieses Jahr gibt es hier keinen physischen Adventskalender im Haus. Auch keinen Schokoadventskalender für 1,99€. Und das macht auch gar nichts. Eine Postkarte, die mich heute überraschte, wird trotzdem ehrenhalber zum besten Adventskalenderinhalt des bisherigen Advents erklärt.
Die Bildseite lässt vermuten, dass jemand von der niederländischen Küste schreibt. Tatsächlich ist die Schreiberin da aber gar nicht, sondern erinnert einfach so an einen gemeinsamen Urlaub von zwei Studentinnen, am Beginn ihrer zwanziger Jahre. Damals. Und das geht so:

Ha, liebe Oecherin, in B. bin ich definitiv NICHT, aber da waren WIR BEIDE mal, nicht wahr, ohne Postsparbuchkarte, aber mit Fahrrädern zum Übersetzen Richtung D., wo es im Zelt jeden Morgen das PERFEKTE Frühstück gab: Weißbrot, Erdbeermarmelade und Schokostreusel. Und Sonne. Und Fußball. B.! Und S.! Und… Deine Kölnerin

Life was good.
Life is still good.