Ein Hoch

Ein Hoch auf die, die vor uns und mit uns lebten und irgendwie auch für uns. Heute ganz besonders auf K. an ihrem 102. Geburtstag. Wie wunderbar, dass ich dich noch treffen durfte. Dein Enkel liebte und liebt dich sehr, aber das weißt du ja. Ein Hoch auf Dich, liebe K.. Dein Lachen und dein unverwüstlicher Optimismus klingen nicht nur heute in meinen Ohren. Ein Hoch auf dich.

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Mein Advent

Gestern noch schnell den Küchentisch geölt und die vier zu dreiviertel abgebrannten Alltagskerzen durch vier neue rote Kerzen ersetzt. Eine der Sonnenblumen vom Vogelfutterhaus in blauer Vase dazugestellt, damit es nicht gleich zuviel klassischer Gemütlichkeit wird. Die kann ich euch andern sehr gut lassen, aber will sie selber grad ganz und gar nicht. Mit der Nachbarschaft am Abend dann die erste Kerze am Kranz besungen und, wie man so sagt, begossen. Mit Gemüsesuppe, Kölsch vom Fass, Kakao und Glühwein, wie es sich gehört.

Heute dann in meinem Internet viele Accounts stummgestellt. Wann geht das wieder weg, dass alle meinen, ein kleiner Impuls am Tag wäre doch sicher ganz nett? Dieses Jahr macht es mich jeck und ich fürchte richtig, von Tannengrün und Kerzenlicht im Dunkeln erschlagen zu werden. Nur drei Countdown-Zählwerke für die nächsten drei Wochen bleiben übrig. Verrückte Zeiten, in denen sich drei nach so wenig wie einem anfühlen. Übrig bleiben: Ein Adventskalender auf Instagram, einer in totalem Old-Style per Mail (nur Text, kein Bild, kein Link, gar nix) und einer an der Wand.

Klar kenn ich all die Antworten, was der Advent ist, vom christlichen Ursprung an bis zu allen möglichen kulturellen Ausprägungen. Es gibt so viele Varianten und viele hab ich schon mit Freude ausprobiert. Doch dieses Jahr komme ich in keine der üblichen Loipen. So stapfe ich einfach nebenher. Ich lass all den üblichen wundervollen Kram für euch. Es ist wunderbar, wenn ihr ihn dieses Jahr für mich mit pflegt und genießt. Ich mach einfach weiter wie bisher. Leben. Schwarzsehen abgewöhnen. Im Konflikt des Jahres weiter Sonnenblumen statt Schwert einsetzen. Schlafen, essen, wach sein, Menschen treffen, Gott finden, lachen hoffentlich. Dankbar sein. Freundlich und entschieden für Menschenwürde und Freiheit eintreten. Und hier und da Liebe organisieren und verteilen.

Und die Adventskerze des heutigen Abends ist der Lichtkegel der Schreibtischlampe neben dem Bildschirm, auf dem dieser Text entsteht. Und der Adventschoral ist das knarzende Geräusch, das vermutlich von der Katz erzeugt wird, die sich oben im Bücherregal putzt. Musik in meinen Ohren, zusammen mit dem Klacken der Tastur. Und das Leben geht weiter.

Adventsbeginn, der dritte

Beitrag für Kirche in WDR 3 & 5

Dreifach-Start in diesem Jahr: Heute beginnt der Advent zum dritten Mal: Die Märkte in den Städten sind seit letzter Woche geöffnet. Gestern, am 1. Dezember, haben viele die ersten Türchen der Adventskalender aufgemacht. Und heute Abend beginnt er nochmal, weil dann am Vorabend es ersten Advents, in Familien und Kirchen die erste Kerze am Adventskranz entzündet wird. In meinem Dorf treffen wir uns sogar extra dafür bei Nachbarn mit Glühwein, Grill und Keksen und singen den Advent an.

Seit ich aufgehört haben, besser zu wissen, wie der Advent zu feiern ist und seine gesellschaftlichen Ausschmückungen nehme, wie sie sind, freue ich mich wieder mehr darauf. Ich meide Facebook-Accounts, die jeden Tag im Dezember eine Verlosung anbieten genauso wie die hundert Seiten im Netz, die mich mit Besinnung zurieseln wollen. Ich freue mich auf die Lichter, die mehr und mehr die Dunkelheit erhellen, bis demnächst die Tage wieder länger werden. Ich freue mich auf die Kerzen, die ich selber im Dunkeln brennen lassen werde. Und darauf, für meine Lieben das ein und andere Geschenk zu finden und die Familientreffen an Weihnachten zu planen.

Und mir geht durch den Sinn, wie toll diese Sache mit dem täglichen Türchen ist, das geöffnet wird. Das erinnert mich an Türen, hinter denen keine Schokolade versteckt ist. Sondern Türen, die ich geöffnet habe, um einen neuen Menschen kennenzulernen, um eine neue Arbeit zu beginnen, etwas Neues zu lernen. Was kommt mir heute entgegen? Wer kommt mir heute entgegen? Welche Entdeckung steht mir heute und in den nächsten Wochen bevor?

Eine gute Adventszeit: Das Beste kommt noch, findet

Ihre Oecherin

Audio des Beitrags

Wünschen

Ein Beitrag für Kirche in WDR 3 und 5

„Ich glaube an Wünsche, und dass sie mit oder ohne Gott in unserer Welt wirken.“

Es war am Ende seiner Friedenspreisrede – da hat Navid Kermani vor zwei Jahren die Festgesellschaft in der Frankfurter Paulskirche mit diesen Worten zum Gebet aufgerufen. Kermanis Wunsch: Jeder solle doch für in Syrien entführte Menschen beten, mindestens gute Wünsche schicken: Jeder für sich, gemeinsam an diesem Ort. Darf man das, in einer nicht-religiösen Veranstaltung, über Glaubensgrenzen und Bekenntnisse hinweg zum Beten aufrufen? Passt das in unsere Gesellschaft, was z.B. in Amerika relativ normal ist? Der Schriftsteller und Orientalist Kermani, Kind von Einwanderern aus dem Iran, hat mit seiner Rede und deren Ende einmal mehr die deutsche Gesellschaft zum Nachdenken und Aufmerken gebracht. Heute wird Kermani 50 Jahre alt und erhält in Köln den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Mich als Christin und ähnlich alte Zeitgenossin hatte sein Aufruf in der Paulskirche positiv bewegt. Zumal er noch hinzufügte:

„Und wenn Sie nicht religiös sind, dann seien Sie doch mit Ihren Wünschen bei den Entführten. Was sind denn Gebete anderes als Wünsche, die an Gott gerichtet sind?“ Und er sagte: „Ich glaube an Wünsche, und dass sie mit oder ohne Gott in unserer Welt wirken. Ohne Wünsche hätte die Menschheit keinen der Steine auf den anderen gelegt, die sie in den Kriegen so leichtfertig zertrümmerten.“

Ich finde diese Worte von Kermani stark. Und ich hoffe darauf, dass das mit dem Wünschen nicht zu märchenhaft klingt. Grimms Märchen beginnen ja oft mit der Formel von den „Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat“. Nein, das darf nicht nur für Märchen gelten. Möge auch unsere Zeit eine Zeit sein, in der das Wünschen hilft. Mögen Menschen muslimischen, jüdischen, christlichen Glaubens mit allen Menschen guten Willens, ob sie an einen Gott glauben oder nicht, das Wünschen nicht verlernen. Mögen wir uns mit den Verhältnissen in der Welt nicht zufrieden geben und sie nicht achselzuckend aufgeben. Wünschen, dass es anders ist, das ist doch das mindeste. Das will ich nicht vergessen.

Für heute wünsche ich Ihnen einen guten Tag und Navid Kermani ein herzliches „vergelts Gott“.

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AUSblick

Ein Reisenotizbuch für die nächste große Reise begonnen. Ein Reisekalendarium in ein Papierbüchlein eingetragen, jetzt, da Hin- und Rückweg fest geplant sind. Bis zum Beginn sind es noch Monate.
Doch doch, ich werde es beizeiten wiederfinden.

Bestandteile

Kurze Nacht auf fremdem hartem Bett
Frühstück mit Freund_innen und köstlicher Marmelade
Einblicke in alte bewohnte Gemäuer
Abstecher in die Stadt
Heimfahrt und Fortsetzung eines Gesprächs
Wiedersehen
Urlaubsvorfreude
Sachensuche
Samtfell
Bratkartoffeln
Ausweg aus einer Sackgasse
Vertaute Kissen und Decken